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GDV nimmt Stellung zu Öko-Test Ratgeber: Riester, Rürup, Rente


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16.10.2008 | 

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Öko-Test hat am Montag den Ratgeber „Riester, Rürup, Rente“ an die Kioske geliefert und darin die bereits vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in ihrer Testmethodik ausführlich bemängelten Tests zu Rürup-Renten, Direktversicherungen und Pensionskassen recycelt (vgl. die jeweiligen Presseerklärungen unter www.gdv.de). Insgesamt unternimmt Öko-Test damit erneut den unfundierten Versuch, die vorsichtige Kalkulation der Lebensversicherer, die gerade in den aktuellen Zeiten ihre Bedeutung mehr als beweist, in Verruf zu bringen. Dazu werden in den Produktanalysen die mit der vorsichtigen Kalkulation der weiteren Lebenserwartungsentwicklung verbundenen möglichen Überschüsse aus den Sicherheitsmargen einfach weggelassen.

Aus diesem Fehler und mittels einer unrealistischen Vergleichsrendite, die weder Zinsrisiken noch Kosten und Steuern von Alternativprodukten berücksichtigt, entstehen fehlerhaft berechnete Werte für die Rententarife im Test. Diese Werte liegen meist deutlich ungünstiger als das, was bei einer fachlich fundierten, vollständigen Analyse auch im Rahmen der Testannahmen zu erwarten wäre. Öko-Test hat es leider unterlassen, Fehlern in der Methodik dadurch vorzubeugen, dass es sie in fachlich kompetenten Kreisen wie der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) vorher zur Diskussion stellt.

Überraschend ist, dass gerade Öko-Test die politisch seinerzeit vor allem von Bündnis90/Die Grünen massiv geforderten Unisex-Tarife nun dazu nutzt, Männern vom Abschluss einer Riester-Rente abzuraten. Leider nicht mehr überraschend ist dagegen, dass Öko-Test wiederholt ohne überzeugende Begründung unterstellt, dass die ausschließlich für Bevölkerungshochrechnungen erstellten Lebenserwartungsprojektionen des Statistischen Bundesamtes für die vorsichtige Kalkulation der Lebenserwartung bei Rentenversicherungen richtig wären. Dabei war der Trend bei der Zunahme der Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten stärker als nun vom Statistischen Bundesamt – für einen ganz anderen Zweck – unterstellt. Die Lebenserwartungsannahmen von Öko-Test sind entsprechend willkürlich.

Empirisch nachgewiesen ist, dass die Lebenserwartung derjenigen, die mit Rentenversicherungen für das Alter vorsorgen, länger ausfällt als im Durchschnitt der Bevölkerung. Der Grund liegt nicht nur darin, dass Rentenversicherungen besonders von Menschen abgeschlossen werden, die mit einer mindestens normalen Lebenserwartung rechnen. Langfristige Rentenversicherungen werden bevorzugt von Menschen nachgefragt, die langfristig planen und für die Zukunft vorsorgen. Diese langfristig orientierten Kunden sorgen in der Regel jedoch nicht nur rechtzeitig für das Alter vor, sondern kümmern sich auch intensiv um ihre Ausbildung, gute Erwerbschancen und ihre Gesundheit, leben also auch entsprechend länger.

Folglich ist auch die Erwartung von Öko-Test nicht gerechtfertigt, diejenigen, die gezielt Riester-Renten nachfragen, hätten eine nennenswert kürzere Lebenserwartung. Vorsichtige Annahmen über die einzukalkulierende Lebenserwartung sind folglich auch bei der nicht-obligatorischen Riester-Rente zwingend erforderlich. Es bleibt für die Versicherer unverzichtbar, mit speziellen Rechnungsgrundlagen die Lebenserwartung ihrer Kunden zu berücksichtigen. Es erstaunt, wie leichtfertig Öko-Test die diesbezüglichen langjährigen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Aktuarwissenschaften mit wenigen Federstrichen vom Tisch wischt.

An Absurdität kaum zu übertreffen sind die von Öko-Test verbreiteten Berechnungen angeblich programmierter Risikogewinne in dreistelliger Milliardenhöhe. Abgesehen davon, dass Öko-Test diese Zahlen massiv aufbläht, in dem die für eine wissenschaftlich angemessene Addition von Beträgen in 40, 50 oder 60 Jahren zwingende Diskontierung einfach weggelassen wird: Die genannten Beträge entstehen nur auf der Basis fehlerhafter Annahmen. Dies gilt vor allem – wie oben bereits ausführlich erläutert – für die fehlerhaften Lebenserwartungsannahmen. Dies gilt aber auch für die Hochrechnung eines nicht-repräsentativen Einzelvertrages auf fast 9 Millionen Verträge.

Tatsächlich beträgt der Durchschnittsbeitrag einer Riester-Renten-versicherung aktuell nicht, wie von Öko-Test implizit unterstellt, 1.200 Euro pro Jahr, sondern nur etwas mehr als 500 Euro. Außerdem werden auch in dieser Rechnung die Überschüsse nicht adäquat berücksichtigt, die von Jahr zu Jahr zu höheren Renten führen, wenn die einkalkulierten Sicherheitsmargen tatsächlich nicht benötigt werden. Zuletzt negiert Öko-Test bei dieser Rechnung, dass es bei der Riester-Rente zwischen Männern und Frauen trotz der unterschiedlichen Lebenserwartungsannahmen einen politisch gewollten Ausgleich bei der Rentenhöhe gibt. Der umzuverteilende Betrag wird jedoch fehlerhaft den vermeintlichen Risikogewinnen zugeordnet.

Der GDV bedauert nicht nur, dass Öko-Test mit der fehlerhaften Methodik vielfach gegen Prinzipien wissenschaftlich fundierter Produktvergleiche verstößt. Schlimmer ist, dass Leser im Ergebnis falsche Ratschläge bekommen. Sollten Vorsorgeinteressierte durch die falschen Testergebnisse gänzlich vom Abschluss einer Altersvorsorge abgeschreckt oder Kunden gar zur Kündigung bestehender Verträge verleitet werden, hat Öko-Test leichtfertig auch einen großen sozialpolitischen Schaden zu verantworten.


Verantwortlich für den Inhalt / Kontakt:
Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), Wilhelmstraße 43 / 43 G, -10117 Berlin
Tel.: 030-2020 5000, Fax: 030-2020 6000
www.gdv.de



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