Financial Homes, also digitale Plattformen, die es ermöglichen, alle Finanz- und Versicherungsangebote zentral zu managen, sind weiter auf dem Vormarsch.

 

Bereits 2019 war jeder dritte Verbraucher in Europa interessiert, seine Finanz- und Versicherungsangebote zentral zu bündeln. Allerdings liegen Banken in der Gunst der Kunden vorn. Versicherer müssen jetzt entscheiden, welche Rolle sie bei der Erschließung dieses Geschäftsfelds spielen wollen.

Das Privatkundengeschäft der Banken erlebt seit einigen Jahren einen sukzessiven Wandel des Geschäftsmodells: von der Beratung und dem Verkauf von Produkten in der Filiale hin zum Digital Banking, bei dem Produkte immer und überall zur Verfügung stehen. Financial Home ist das nächste Thema für Banken, aber auch Versicherer. Hinter der Idee des Financial Home steht eine Plattform, die jedem Kunden einen vollständigen Finanzüberblick gibt und dabei hilft, finanzielle Entscheidungen für konkrete Lebenssituationen über alle Finanzprodukte hinweg digital zu optimieren.„Einige Banken haben ihr Onlinebanking-Portal bereits um einen Versicherungsmanager erweitert, andere sind exklusive Versicherungspartnerschaften eingegangen. Der Zeitpunkt für das Financial Home ist daher günstig“, sagt Stefan Wojahn Partner bei Oliver Wyman und Experte für Bancassurance und Digitalisierung im Vertrieb.

Jedoch sehen nur 14 Prozent laut einer Oliver Wyman-Studie die Versicherungsbranche als bevorzugten Anbieter. Dem gegenüber stehen auf dem ersten Platz noch vor Finanzberatungs-Apps (17 Prozent) die Banken mit 62 Prozent. „Versicherer stehen durch die starke Position der Banken vor einer erheblichen Herausforderung, aber es bieten sich auch zahlreiche Chancen, sich eigenständig oder als Partner zum Beispiel von Banken zukunftsfähig und innovativ zu positionieren”, sagt Wojahn.

Der Aufbau eines Financial Home erfordert neben dem Willen zum Ausprobieren und der schrittweisen Weiterentwicklung zusätzliche Investitionen. Banken haben hierbei tendenziell einen stärkeren Antrieb, in den Aufbau eines Financial Home-Angebots zu investieren, da sie ihr Selbstverständnis als Allfinanzanbieter im Privatkundenbereich sehen. Für andere Anbieter stellt der Vertrieb branchenfremder Produkte bisher keine natürliche strategische Stoßrichtung dar, dennoch wird sich das Financial Home – sowohl aus Kunden- als auch Anbietersicht – etablieren, so der Oliver Wyman-Experte Wojahn.

Der Trend zum Financial Home befindet sich den Beratern zufolge noch in den Anfangszügen. Dennoch löst das Thema derzeit viel Bewegung am Markt aus, um im Kampf um die Kundenschnittstelle vorbereitet zu sein.

Wird sich das Financial Home durchsetzen?

Der aktuelle Report „Financial Home: Eine Revolution für Versicherer?“ skizziert drei mögliche Entwicklungen:

–        Financial Home bleibt ein Nischenphänomen, setzt sich nicht durch und das klassische Bancassurance-Geschäft  bleibt weitestgehend erhalten.

–        Financial Home ersetzt das heutige Bancassurance-Geschäft im klassischen Sinne und wird somit das „New Normal“ für Bancassurance.

–        Financial Home wird das heutige Bancassurance-Geschäft größenmäßig vielfach übertreffen und somit nicht nur zum „New Normal“ für Bancassurance werden, sondern auch signifikante Marktanteile von anderen Vertriebskanälen übernehmen.

„Das Verständnis, was Financial Home bedeutet, wie die Zukunft für Financial Home aussieht und welche Handlungen zum Erfolg führen – darauf haben Versicherer bisher oft keine klare Sicht. Wir sehen für die unterschiedlichen Versicherertypen vom Platzhirsch über den Bankenversicherer bis zum Maklerversicherer unterschiedliche, spezifische Strategien, um sich im wandelnden Markt eine Position zu sichern“, sagt Dr. Dietmar Kottmann, Partner und Verantwortlicher für das Versicherungsgeschäft in DACH bei Oliver Wyman. „Handeln sollten aber alle, auch die reinen Ausschließlichkeitsversicherer, deren Bestände zum Teil gefährdet sind, sobald ein Kunde beginnt, sie in einem Financial Home zu managen“, so Kottmann weiter.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Oliver Wyman, Marstallstraße 11, D-­80539 München, Tel.: 089 939 49 763, Fax: 089 939 49 515, www.oliverwyman.de