Verzerrte Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Denkprozesse sind wesentliche Ursachen für irrationale Anlageentscheidungen

 

Auch professionelle Fondsmanager sind nicht vor der Macht des Unterbewussten gefeit, so eine zentrale Erkenntnis der Behavioural Finance. Eine grundlegende Erkenntnis: Anleger optimieren an der Börse nicht ihren Gewinn, sondern ihr persönliches Wohlbefinden. Während die Wissenschaft vor allem seit den 1980er-Jahren in diesem Teilgebiet der Verhaltensökonomie große empirische Fortschritte gemacht hat, nimmt die Umsetzung in der Praxis jetzt Fahrt auf. Anlässlich eines von Fidelity International organisierten Pressegesprächs diskutieren Vertreter aus Wissenschaft und Praxis.

„Interessanterweise fallen nicht nur Privatanleger, sondern auch Profis Verhaltensanomalien zum Opfer“, sagt Thorsten Hens, Professor am Swiss Finance Institute und am Institut für Banking und Finance an der Universität Zürich. Natürlich haben professionelle Investoren mehr Wissen über die Finanzmärkte als Privatanleger. Defizite bestünden häufig aber auch bei ihnen, wenn es um das Erkennen verzerrter Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Denkprozesse gehe. Profis seien zwar besser darin, Anlageentscheidungen kostengünstig an den Finanzmärkten umzusetzen. Ob diese Entscheidungen psychologisch verzerrt seien, nähmen sie genauso wenig wahr wie Privatanleger. „Bei beiden Anlegertypen kommt es zu Herdenverhalten mit irrationalem Überschwang und Panik. Dieses Fehlverhalten wird durch Hormone gesteuert, worüber man sich bewusst sein sollte. Im Überschwang treibt uns Testosteron, in der Panik Kortisol. Interessanterweise haben Frauen einen ausgeglicheneren Hormonhaushalt als Männer. Das kann ein Grund dafür sein, dass sie „cooler“ anlegen und somit langfristig erfolgreicher sind“, so Hens weiter.

„Zu den wichtigsten Behavioural-Finance-Phänomenen unter Privatanlegern gehören in der Praxis der Familiarity Bias, also die Präferenz bekannter und heimischer Unternehmen, die Überreaktion auf plötzliche Schocks und Glamour-Stories sowie die Unterschätzung wichtiger, aber schleichend verlaufender Entwicklungen“, ergänzt Dr. Gabriel Layes, Managing Director am Institut für Vermögensaufbau. Zusammen mit der ebenfalls häufig zu beobachtenden kurzfristigen Verlustaversion könne die Neigung zu Überreaktionen zu einem prozyklischen Investitionsverhalten führen, das auch bei Anlageprofis zu beobachten sei. „Bei professionellen Asset Managern wird prozyklisches Investitionsverhalten paradoxerweise durch regulatorische und eigentlich dem Anlegerschutz dienenden Vorschriften zusätzlich gefördert.“

„Fidelity International hat 2017 das „Behavioural-Insights“-Projekt ins Leben gerufen“, so Paras Anand, Leiter Asset Management Asien Pazifik bei Fidelity International. Ein spezialisiertes Team widme sich dabei der Entwicklung diverser Tools und Analysen, mit deren Hilfe Fondsmanager und Analysten Entscheidungen auf eine objektivere Grundsage stützen sollten. Die menschliche Kognition allein werde sich nicht schnell genug anpassen, um mit der modernen Datenumgebung Schritt zu halten, aber man könne bessere Werkzeuge entwickeln. Ausgangspunkt sei die Identifikation von Phänomenen, wie zum Beispiel der Herdentrieb und Konsensus-Einschätzungen, bei denen Emotionen rationalen Entscheidungen im Weg stehen können. „Um gegenzusteuern, haben wir Informationssysteme entwickelt, mit denen Portfolio-manager und Analysten in bestimmten Situationen auf mögliche Behavioural-Finance-Phänomene aufmerksam gemacht werden und dann mithilfe von Gedankenanstößen beziehungsweise „Nudges“ zu besseren Entscheidungen angetrieben werden. Technologische Fortschritte, wie zum Beispiel in den Bereichen künstliche Intelligenz und Natural Language Processing, sind wichtige Katalysatoren zur Verbesserung dieser Systeme.“

 

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