Ende des Konjunkturzyklus: die Gewinnmargen der Unternehmen werden leiden – Investoren müssen daher in qualitativ hochwertige Aktien investieren, die in schwierigen Märkten Kapitalschutz bieten

 

Obwohl sich die US-Notenbank derzeit eher zurückhaltend anhört, nähern wir uns dem Ende des Konjunkturzyklus. Das führt nicht nur zu einer Korrektur des Gewinnwachstums, sondern bringt auch den immens hohen Fremdkapitalanteil, der den US-Markt prägt, ans Licht. Vor diesem Hintergrund ist es hier wohl an der Zeit, dass Anleger sich nun auf Qualitätstitel konzentrieren.

Das Nachspiel eines endlosen Zyklus

Der S&P 500-Index hat seit der weltweiten Finanzkrise eine sehr starke Performance gezeigt: In den letzten 10 Jahren erzielte er eine Rendite von fast 14 Prozent pro Jahr. Auch jetzt liegt die jährliche Performance des S&P 500-Index wieder bei Extremwerten um die 14 Prozent. Ein sicheres Zeichen, dass der Aufschwung vorbei ist?

Auf jeden Fall ein Hinweis darauf, wie lang – und stark – der Zyklus bisher war. Während die Unternehmensmargen durch das niedrigere Zinsumfeld und die jüngsten fiskalpolitischen Stimulierungsmaßnahmen gestützt wurden, hat die Verschuldung, insbesondere im US-amerikanischen Small- und Mid-Cap-Universum, ein außergewöhnliches Niveau erreicht.

Diese Kennzahlen lassen deutlich die Alarmglocken läuten zur Nachhaltigkeit der Stärke des US-Aktienmarktes. Die Erosion der Margen in Kombination mit der starken Hebelwirkung könnte zu Rückzahlungsproblemen führen und schlimmstenfalls Zahlungsausfälle und Insolvenzen auslösen. Eine andere Möglichkeit, die Situation in Bezug auf die Verschuldung zu betrachten, ist ein Blick auf die ausstehenden Unternehmensschulden als Prozentsatz des BIP, der ein besorgniserregendes Niveau von über 45 Prozent erreicht hat. Anleger müssen also vorsichtig sein, wenn es um die explodierenden US-Unternehmensschulden geht und Qualitätsunternehmen anvisieren, die sich durch starke Bilanzen auszeichnen.

Investiere in das, was du verstehst

Die Märkte haben vielleicht vergessen, dass es riskant ist, Finanzprodukte oder einzelne Unternehmen in Betracht zu ziehen, ohne einen klaren Blick auf die inneren Werte zu haben und die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen. Während der Subprime-Krise beispielsweise enthielten viele hypothekenbesicherte Wertpapiere auch Kredite mit eingebetteten Risiken, die Ratings oder Marktwerte nicht erfasst hatten. Die Anleger konzentrierten sich häufig auf die Bewertung, die Ergebnisse und die Gewinn- und Verlustrechnung, anstatt den Gesamtausblick des Unternehmens zu berücksichtigen, einschließlich Rentabilität, Rückzahlungsfähigkeit usw. Es können jedoch Ereignisse eintreten, die zu Dividendenkürzungen führen, was die Anleger dann schmerzhaft an die Hierarchie der Zahlungen erinnert, wenn Probleme auftreten.

Solchen Dividendenkürzungen sind eher selten, da sie ein sehr negatives Signal an die Anleger senden. Sie sind auch nicht immer ein Hinweis auf eine sofortige Insolvenz, signalisieren aber aber häufig die sofortige Notwendigkeit von Bargeld, um Schuldenzahlungen zu leisten. Doch viele Unternehmensanleihen werden in den nächsten fünf Jahren fällig. Und hohe Schuldenberge, die zu einem Zeitpunkt fällig sind, zu dem die Gewinnmargen wahrscheinlich schrumpfen werden, sind ein erhebliches Risiko.

Die Verschuldung der Unternehmen und die Erosion der Gewinne werden die Dividenden aufzehren

Wir bei Unigestion glauben, dass diese Rückzahlungen erhebliche Auswirkungen haben werden. Und die daraus resultierende Erosion der Gewinnmargen wird viele Unternehmen dazu zwingen, ihre Dividendenpolitik zu überprüfen oder sie werden im schlimmsten Fall ihre Anleihen bei Fälligkeit nicht zurückzahlen können, was zu einer Herabstufung ihrer Ratings führt.

Das aktuelle Risiko von Unternehmensausfällen wird häufig an der Ausfallrate für High-Yield-Anleihen gemessen, die mit Verzögerung mit der Unternehmensverschuldung korreliert ist.

Es gibt jedoch eine Reihe von Gründen, warum wir glauben, dass sich die Gefahren nicht nur auf das High-Yield-Universum erstrecken und dass die Anleger entsprechend vorsichtig sein müssen:

  1. Ratings haben ihre Grenzen, wie die Vergangenheit aufgezeigt hat
  2. Es ist wahrscheinlich, dass selbst Investment-Grade-Unternehmen direkt in Zahlungsverzug geraten
  3. Unternehmen mit BBB-Rating, die Gefahr laufen, in den High-Yield-Bereich abzurutschen, haben womöglich Probleme, ihre Verpflichtungen während des nächsten wirtschaftlichen Abschwungs zu erfüllen und ihre Aktienkurse werden leiden, insbesondere wenn ihre Bonität herabgestuft wird

Dieser letzte Punkt ist angesichts der Tatsache, dass der Anteil der mit BBB bewerteten Unternehmen seit der Finanzkrise deutlich gestiegen ist, ein ganz erhebliches Problem.

„Qualität bedeutet, es zu tun, wenn niemand hinschaut“, Henry Ford

Wir glauben, es ist an der Zeit, dass Aktieninvestoren sicherstellen, dass sie in qualitativ hochwertige Aktien investieren, die in schwierigen Märkten Kapitalschutz bieten. Wie wir vor einem Jahr in unserem Artikel A New Volatility Regime erläutert haben, sollte jede defensive Allokation zu einem vernünftigen Hebel erfolgen, aber auch Qualität sollte zu einem vernünftigen Preis kommen. Es ist wichtig zu bedenken, dass das derzeitige Niveau der ausstehenden Unternehmensschulden, stark erhöht ist und sich dementsprechend zu positionieren. Da der US-Markt sehr teuer erscheint, müssen Anleger eher früher als später handeln. Tatsächlich könnte man argumentieren, dass die Bewertungen genauso beängstigend sind wie die Höhe der Unternehmensschulden.

Fazit

Die beeindruckende Rallye des US-Marktes könnte sehr bald zu Ende gehen, ausgelöst durch die unkontrollierbaren Schulden der Unternehmen. Jeder Investor, der über eine mögliche Marktkorrektur besorgt ist, sollte jetzt das Risiko minimieren. Qualitätsunternehmen mit starken Bilanzen und attraktiven Bewertungen könnten die letzten sein, die noch stehen, wenn die Marktkorrektur einsetzt.

 

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