Keine Regel erkennbar – weltweite Streuung als Idealform

 

Rund um den Globus gibt es vielfältige Anlagemöglichkeiten: Börsen in mehr als 40 Ländern handeln Aktien von über 15.000 börsennotierten Unternehmen. Je nachdem, wie sich die Wirtschaft und die Aktienmärkte der einzelnen Länder entwickeln, scheinen einige Länder besser für Anlagen geeignet zu sein als andere. Die Hamburger Sutor Bank ist der Frage nachgegangen, ob es bestimmte Länder gibt, die dauerhaft zuverlässige Renditebringer sind – weil dies Rückschlüsse auf die Anlagestrategie zulassen könnte.

Untersuchung: 22 entwickelte Märkte, 22 Schwellenländer, 22 Jahre

Untersucht wurden die jährlichen Aktienrenditen der letzten 22 Jahre – und zwar von den 22 größten entwickelten Märkten und den 22 größten Schwellenmärkten. Dafür wurden 968 Renditen ausgewertet und verglichen; Datenbasis ist die Indexfamilie MSCI Gross Dividends, bei der die Bruttodividenden berücksichtigt werden. „Die Wertentwicklungen der Märkte haben wir in zwei getrennten Rankings dargestellt, da die entwickelten Märkte 87 Prozent der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung ausmachen, während auf die Schwellenmärkte ‚nur‘ die restlichen 13 Prozent entfallen“, erklärt Lutz Neumann, Leiter der Vermögensverwaltung bei der Sutor Bank und Initiator der Auswertung. Ein Blick auf die Erst- und Letztplatzieren soll klären, ob es eindeutige Gewinner- oder Verlierer-Nationen gibt.

Auffällige Ausbrecher: Finnland, Türkei

Bei den bestplatzierten entwickelten Märkten fallen die beiden Spitzenpositionen Finnlands in den Jahren 1998 (+106,2 % Rendite) und 1999 (+196,8 % Rendite) auf. Interessant, dass im Jahr 2008 Japan ein Minus von 25,4 Prozent reicht, um auf den ersten Platz zu kommen – Ursache hierfür ist die Lehman-Pleite und die daraus resultierende Finanzkrise.

Bei den Spitzenergebnissen unter den Schwellenländern sticht die Türkei im Jahr 1999 mit einer Aktienrendite von 312,8 Prozent heraus – in dieser Zeit stieg der ISE 100, der die Kursentwicklung der 100 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Istanbuler Börse abbildet, sehr stark. Der ISE 100 erreichte am 7. Dezember 1999 erstmals die 10.000-Punkte-Marke, um nur 20 Tage später Kurs auf die 20.000er-Marke zu nehmen (Schlusskurs am 27. Dezember 1999: 19.577,27 Punkte). Heute rangiert der ISE 100 bei etwa 100.000 Punkten. Trotzdem kommt die Türkei in der 22-Jahre-Wertung mit einer durchschnittlichen Rendite von 5,2 Prozent pro Jahr nur auf den 18. Platz unter den Schwellenländern.

Einige Börsen sind von Einzelwerten besonders stark beeinflusst

Die starken Ausschläge einiger Länder-Indizes lassen sich relativ einfach erklären: „Zu starken Ausschlägen kann es kommen, wenn die Börsen der Länder von der Aktienkursentwicklung einiger weniger Unternehmen abhängig sind. Ein Investment kommt dadurch einem Wettspiel gleich. Dies ist in mehr Ländern als man denkt der Fall“, erläutert Lutz Neumann.

Beispiel Finnland: Die extremen Ausschläge 1998 und 1999 lassen sich auf den damaligen „Nokia-Hype“ zurückführen. Seinerzeit hatten Handys aus Finnland einen weltweiten Marktanteil von 40 Prozent, Smartphones waren noch nicht erfunden. Oder Dänemark: Dort dominieren Novo Nordisk und die Danske Bank den MSCI-Index. In der Türkei ist der Index stark bankenabhängig. Ganz anders sind die USA aufgestellt, wo im MSCI-Index über 600 Unternehmen geführt werden, wobei das größte davon, Microsoft, gerade einmal 3,77 Prozent ausmacht (Stand 28.06.2019). Interessanter Aspekt: Allein der Wert von Microsoft entspricht dem aller börsennotierten Unternehmen Indiens, oder auch dem von rund 60 Prozent aller börsennotierten Firmen in Deutschland.

Gewinner und Verlierer über 22 Jahre: Dänemark & Peru vs. Irland & Griechenland

Dänemark weist in den letzten 22 Jahren mit einer annualisierten Rendite von 11,2 Prozent die beste Wertentwicklung unter allen entwickelten Märkten auf – überraschend ist dabei, dass Dänemark nur einmal – im Jahr 2015 – die beste Jahresrendite erzielt hat. Finnland hat sich mit fünf ersten und drei letzten Plätzen in der Gesamtwertung einen beachtlichen 2. Platz gesichert (+9,1 %). Die USA, die 2014 Erster waren, erreichten trotz einiger hoher Renditen in den letzten Jahren mit einer annualisierten Rendite von 8,2 Prozent nur den sechsten Platz. Deutschland liegt mit 6,3 Prozent im gesunden Mittelfeld. Im starken Kontrast dazu schafft Irland als Schlusslicht der entwickelten Länder am heimischen Aktienmarkt über 22 Jahre nur eine durchschnittliche Rendite von 0,1 Prozent.

Unter den Schwellenländern ist Peru der Spitzenreiter über 22 Jahre – mit immerhin 15,0 Prozent jährlicher Aktienrendite im Durchschnitt. Auffällig auch die Entwicklung Griechenlands: Bis 2012 noch als entwickelte Industrienation geführt, rangieren die Hellenen bei den Emerging Markets mit einer Durchschnittsrendite von -12,1 Prozent über 22 Jahre abgeschlagen auf dem letzten Platz. In der Sutor Analyse wurde Griechenland durchgängig als Schwellenmarkt eingestuft.

Erstaunlich sind die zum Teil enormen Performance-Unterschiede innerhalb der Kategorien entwickelte Märkte beziehungsweise Schwellenländer: Bei den entwickelten Märkten lag der Unterschied zwischen der besten und der schlechtesten Wertentwicklung über die letzten 22 Jahre in einem Bereich von 25 Prozent im Jahr 2018 bis hin zu 195 Prozent im Jahr 1999. In den Schwellenmärkten sind die Unterschiede noch gravierender: Mehr als 100 Prozent Differenz sind hier fast üblich, bis hin zu 312 Prozent im Jahr 1999.

Keine Regel erkennbar

Nach Sichtung aller Zahlen wird deutlich, dass die Rankings eigentlich nur die Zufälligkeit der globalen Aktienrenditen belegen – und das eindrucksvoll. „Die Regel ist, dass sich keine Regel ableiten lässt“ resümiert Lutz Neumann. „Die Schwankungen in der Wertentwicklung von Jahr zu Jahr sind stellenweise enorm – die Länder fahren im Ranking regelrecht Paternoster.“ Beispiel: Nachdem Dänemark die höchste Rendite 2015 erzielte (+38,5 %), wurde im Jahr 2016 die geringste Rendite verzeichnet (-12,5 %). Neuseeland wiederum hatte beispielsweise im Jahr 2000 die niedrigste Rendite unter den entwickelten Märkten (-28,2 %), in den beiden Jahren danach aber die höchste Rendite (15,5 % bzw. 7,0 %).„Der Beweis für die Zufälligkeit der globalen Aktienrenditen ist eigentlich eine gute Nachricht für Anleger“, erklärt Lutz Neumann. „Anstatt zu versuchen, vorherzusagen, welches Land wann eine überdurchschnittliche Wertenwicklung erzielen wird, sollten Anleger sich für ein weltweit diversifiziertes Portfolio entscheiden. Das ist die beste Form der Risikostreuung. Und sie nehmen die positiven Wertentwicklungen der globalen Aktienmärkte mit, unabhängig davon, wo und wann diese auftreten.”

 

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