Mithilfe Künstlicher Intelligenz bewertet die polnische WARTA die Höhe von Schäden an Autos. Zukünftig kann der Versicherer so in wenigen Minuten einen Schaden regulieren.

 

Für die Kalkulation eines Schadens an einem Auto werden der WARTA in Zukunft nur wenige Fotos genügen. Der polnische Versicherer setzt in einem Pilotprojekt auf ein System, das mithilfe Künstlicher Intelligenz innerhalb weniger Sekunden selbstständig Bilder interpretiert und die Kosten für Reparatur oder Ersatz berechnen kann.

„Wir nutzen Künstliche Intelligenz dazu, die Schäden an der Karosserie von Autos allein auf Basis von Fotos zu bewerten“, sagt Rafal Stankiewicz, Vorstandsmitglied der WARTA. „In Zukunft können wir den Algorithmus dann zum Beispiel für die vollautomatische Bearbeitung von einfachen Schäden ohne menschliches Zutun einsetzen.“ Das Projekt wird unter der Leitung der WARTA in übergreifender Zusammenarbeit mit HDI Gesellschaften aus Deutschland, Italien, der Türkei, Mexiko, Brasilien und Chile geführt. Das Ziel ist eine komplett dunkelverarbeitete Regulierung von Kfz-Schäden.

Enorme Zeitersparnis

In Zukunft erhält jeder, der einen Schaden an seinem Auto hat, deutlich schneller eine Kalkulation der Kosten von der WARTA als heute. Nutzt er zum Beispiel eine Schaden-App, zeigt diese ihm, worauf er beim Fotografieren achten muss. Das macht es für den Algorithmus leichter, den Karosserieschaden zu erkennen.

Derzeit prüfen noch die Schadenexperten der WARTA das Ergebnis. In Zukunft aber soll das Ganze automatisch ablaufen. Der Geschädigte sieht dann sehr schnell die Schadensumme auf seinem Smartphone. Will er beispielsweise direkt das Geld haben und nicht später die Werkstattrechnung einreichen, kann er die Summe sofort akzeptieren. Der Vorteil für WARTA: Die Sachverständigen müssen die Autos nicht mehr persönlich begutachten und sparen damit enorm viel Zeit.

Der dahinterstehende Algorithmus ist sehr komplex und muss intensiv trainiert werden: Tausende Fotos von Kfz-Schäden liefen bislang schon durch das System. Weicht die Bewertung der Künstlichen Intelligenz von dem Urteil der menschlichen Experten ab, passen die Entwickler den Algorithmus entsprechend an. So lernt das System zu unterscheiden, wann zum Beispiel die weißen Flecken auf dem Kotflügel ein Schaden sind oder doch nur Schnee.

Mehr Präzision durch Videos

Der Algorithmus bedient sich zusätzlich aller wichtigen Vorgaben, die der Schadenexperte im Kopf hat – oder nachschlägt: Die Künstliche Intelligenz greift auf Datenbanken zurück, die etwa die Preise für Ersatzteile oder aber die Regulierung vergleichbarer früherer Schäden beinhalten. Gerade in dieser Schnelligkeit zeigt sich die Stärke der Künstlichen Intelligenz. WARTA-Vorstand Rafal Stankiewicz schätzt die Technik als sehr vielversprechend ein. „Interessant ist auch die Kosteneinschätzung über ein Video des bestehenden Schadens“, erklärt er mit Blick in die weitere Zukunft. So würden verschiedene Blickwinkel dargestellt und ermöglichten eine detailliertere Vorstellung des Schadens.

Kostenvoranschlag richtig?

WARTA setzt Künstliche Intelligenz auch bei der Beurteilung von Kostenvoranschlägen der Werkstätten ein. Dabei gleicht der Algorithmus die aufgerufenen Reparaturleistungen für den Wagen mit den Bildern des Schadens ab und prüft so, ob der Kostenvoranschlag richtig ist. Erstes Fazit: In rund 36 Prozent der Fälle hatten die Werkstätten zu viel berechnet. Das spart Kosten, die das Versichertenkollektiv nicht belasten. Drei Monate dauerte die Kalibrierung des Algorithmus, nur einen Monat brauchte die WARTA, um das System in ihre Schadenabwicklung zu integrieren. Noch beurteilen zwar Schadenexperten parallel jeden Kostenvoranschlag. Das Ziel ist aber deren vollautomatische Überprüfung.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Talanx AG, Riethorst 2, D­-30659 Hannover, Tel: 0511/3747­0, Fax: 0511/3747­2525, www.talanx.com