Es gibt durchaus Gründe, sich gegen die private Krankenversicherung zu entscheiden:

 

Wer bereits krank ist, übersteht die Risikoprüfung nicht oder muss mit hohen Beiträgen leben.Wer Kinder hat, ist bei der kostenlosen Familienmitversicherung der Krankenkassen meist besser aufgehoben. Und wer wenig Einkommen im Alter hat, droht von den oft saftigen Beitragserhöhungen überfordert zu werden. Mal abgesehen davon, dass manche Ärzte Privatpatienten auch gerne überflüssige Untersuchungen angedeihen lassen, nur weil die Privatversicherung zahlt. Doch all das sind keine Gründe, die private Versicherung abzuschaffen und in einer Bürgerversicherung für alle aufgehen zu lassen, wie es Grüne und SPD seit Jahren fordern. Nun scheint die Bertelsmann-Stiftung diese Position zu stärken: Danach würden alle Kassenpatienten 145 Euro im Jahr sparen, wenn endlich auch Beamte, Selbstständige und Gutverdiener Zwangsmitglieder würden. Doch die Studie ist eine Luftnummer. Müsste die gesetzliche Krankenversicherung die Honorarverluste für die Ärzte ausgleichen, würde die Ersparnis zusammenschnurren. Ein abrupter Systemwechsel wäre mit der Verfassung nicht zu vereinbaren und deshalb politisch kaum durchsetzbar. Und auch ökonomisch wäre mit einer Einheitsversicherung wenig gewonnen. Wenn in 20 Jahren bei den umlagefinanzierten Krankenkassen immer weniger Beitragszahler für immer mehr alte Menschen aufkommen müssen, wird man froh sein, mit der kapitalgedeckten Privatversicherung eine zweite Säule zu haben. Gerechter würde es durch die Bürgerversicherung auch nicht: In Ländern, wo Menschen sich nicht privat absichern können, stehen privatärztliche Leistungen nur den wirklich Reichen offen. Und das ist deutlich unfairer als das bisherige System.

 

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