Marktkommentar von Dr. Eduard Baitinger, FERI AG

 

Globale Virus-Ausbreitung zwingt Finanzmärkte zu neuer Risikobewertung

Schwellenländer werden überproportional belastet

„Super Tuesday“ in den USA mit politischem Überraschungspotential

Steigende Infektionszahlen in Süd-Korea, Japan und zuletzt auch in Italien verstärken Ängste vor einer globalen Ausbreitung des Coronavirus. Nach bereits schwachem Ausklang der Vorwoche verzeichneten deshalb die globalen Aktienmärkte zu Wochenbeginn erneut deutliche Kursabschläge. Gleichzeitig markieren die Anleihenmärkte vielfach neue Zinstiefpunkte, während der Goldpreis in Euro ein neues Allzeithoch erreichte. Vor dem Hintergrund dieser drastischen Kursmuster stellt sich die Frage, ob die heftigen Reaktionen der Märkte gerechtfertigt sind. In der Tat hätte eine Coronavirus-Pandemie sehr negative Folgen für die Weltwirtschaft. Der ökonomische Schaden entstünde weniger durch den Krankheitserreger selbst, sondern vor allem durch die erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung. In China haben massive Quarantäneschritte das wirtschaftliche Geschehen vielfach lahmgelegt. Auch die italienische Regierung hat in der wichtigen Industrieregion Norditalien ganze Bezirke abgeriegelt. Auf globaler Ebene wären die wirtschaftlichen Folgen solcher Maßnahmen ungleich größer.

Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario ist seit kurzem deutlich gestiegen. Die jüngsten Kursverluste sind ein klares Signal dafür, dass die Gefahr einer globalen Pandemie, mit entsprechenden Folgen für die Realwirtschaft, von den Finanzmärkten neu bewertet wird. Wie weit die Korrekturen gehen können, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf der Epidemie ab. Hauptleidtragende des Coronavirus sind bislang Schwellenländeraktien, die gleich durch mehrere Effekte belastet werden. Zum einen durch die wirtschaftliche Dämpfung in China, zum anderen durch Unterbrechung oder Behinderung globaler Lieferketten, und schließlich auch durch den starken US-Dollar (USD), der den Schuldendienst für Auslandskredite deutlich verteuert.

„Super Tuesday“ als politischer Risikofaktor

Neben dem Coronavirus droht den Märkten auch aus der US-Innenpolitik Ungemach. Dahinter steht die Kandidatenkür der Demokratischen Partei für die diesjährige Präsidentschaftswahl. Aktuell hat der radikal-progressive Kandidat Bernie Sanders gute Chancen, die Vorwahlen für sich zu entscheiden. Sanders steht für harte Regulierungspolitik, was Gewinnmargen speziell im IT- und Gesundheitssektor drastisch schmälern würde. Obwohl dieses Risiko nicht unbekannt ist, haben die Finanzmärkte dies bislang kaum berücksichtigt. Dies könnte sich abrupt ändern, falls Sanders beim sogenannten „Super Tuesday“ am 3. März, wenn die Mehrheit der US-Staaten abstimmt, als klarer Favorit für die Nominierung hervorgeht. Neue Korrekturen und anhaltender Druck auf US-Aktien wären in diesem Szenario durchaus zu erwarten.

Über Dr. Eduard Baitinger

Dr. Eduard Baitinger ist seit 2015 Head of Asset Allocation in der FERI Gruppe. Er verantwortet den Bereich quantitative Asset Allocation der FERI Trust, wo er auch zahlreiche Forschungsprojekte steuert und koordiniert. In enger Abstimmung mit dem FERI-Vorstand und Chief Investment Officer, Dr. Heinz-Werner Rapp, vertritt er ferner die Anlagestrategie der FERI-Gruppe und deren Kommunikation an Mandanten und Kunden der FERI.

Vor seiner Tätigkeit bei FERI war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bremen und Finanzanalyst bei einem Asset Manager. 2010 schloss er sein Studium an der Universität Bremen, begleitet von einem Auslandsaufenthalt in New York, als Diplom Ökonom ab. 2014 promovierte Eduard Baitinger mit Auszeichnung über neue Ansätze für das quantitative Asset Management. Dr. Baitinger publiziert regelmäßig in akademischen Fachzeitschriften und fungiert als akademischer Gutachter.

 

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