Ausreichend Versicherungskapazität für Extremwetter und Cyber-Risiken / Staatliche Mitwirkung bei Prävention und Extremrisiken unverzichtbar

Zusammenfassung der Zahlen des Geschäftsjahres 2023

Seit Beginn des Geschäftsjahrs 2023 legt Munich Re die Berichterstattung nach den neuen Standards IFRS 9 und IFRS 17 vor1.

Im Geschäftsjahr 2023 erzielte Munich Re einen Gewinn von 4.597 (5.309)2 Mio. € und hat damit das im Oktober 2023 von 4 Mrd. € auf 4,5 Mrd. € angehobene Gewinnziel leicht übertroffen. In Q4 2023 betrug das Konzernergebnis 1.004 (1.141) Mio. €. Der Versicherungsumsatz aus abgeschlossenen Versicherungsverträgen stieg im Vergleich zum Vorjahr auf 57.884 (55.385) Mio. €. Dies ist insbesondere auf das organische Wachstum im Segment Rückversicherung Schaden/Unfall und bei ERGO zurückzuführen, während Wechselkurseffekte die Entwicklung des Versicherungsumsatzes negativ beeinflussten.

Im Geschäftsjahr 2023 hat Munich Re eine Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) von 15,7 (20,2) % verdient. Das Ergebnis je Aktie betrug 33,88 (38,12) €. Der Vorstand schlägt vor, eine Dividende von 15 € je Aktie für das Geschäftsjahr 2023 zu bezahlen. Dies entspräche einem Anstieg um 29,3 % gegenüber dem Vorjahr. Die Solvenzquote betrug – wie üblich bereits unter Abzug der vorgeschlagenen Dividende – zum Ende des Jahres ca. 267 % (31.12.2022: 260 %) und liegt damit ebenfalls auf sehr hohem Niveau.

Das versicherungstechnische Gesamtergebnis des Geschäftsjahres 2023 erhöhte sich auf 7.545 (7.070) Mio. €. Das Kapitalanlageergebnis stieg auf 5.374 (2.983) Mio. €. Das Währungsergebnis fiel deutlich auf -292 (1.067) Mio. €, insbesondere aufgrund von Währungsverlusten durch den japanischen Yen und den US-Dollar. Im Jahr 2022 wurden hingegen hohe Währungsgewinne v.a. durch den US-Dollar erzielt. Das operative Ergebnis fiel auf 5.702 (6.812) Mio. €. Die Steuerquote ging, bedingt durch mehrere positive Sondereffekte, auf 16,9 (20,0) % zurück. Das Eigenkapital lag mit 29.772 Mio. € über dem Niveau zu Jahresbeginn (27.245 Mio. €).

Die Vergleichswerte aus dem Vorjahr werden für das Versicherungsgeschäft bereits auf Basis des neuen Regelwerks (IFRS 17) ausgewiesen. Die Vorjahreszahlen für Finanzinstrumente basieren überwiegend noch auf dem bis 31. Dezember 2022 geltenden Standard IAS 39. Sie sind daher nur eingeschränkt mit den nach IFRS 9 ausgewiesenen Werten 2023 vergleichbar. Teilweise wurden Umstellungseffekte aber bereits vorweggenommen (insbesondere Anwendung des sogenannten „Classification Overlay Approach“ für das direkt überschussbeteiligte Geschäft der ERGO Lebens- und Krankenversicherung).

Das nach den neuen Rechnungslegungsstandards adjustierte Vorjahresergebnis fiel aufgrund insgesamt sehr positiver Zins- und Diskontierungseffekte in einem stark ansteigenden Zinsumfeld sehr hoch aus.

Rückversicherung: Ergebnis von 3.876 Mio. €

Das Geschäftsfeld Rückversicherung steuerte im Geschäftsjahr 2023 3.876 (4.737) Mio. € zum Konzernergebnis bei, davon 926 (1.123) Mio. € in Q4. Der Versicherungsumsatz aus abgeschlossenen Versicherungsverträgen stieg auf 37.786 (36.489) Mio. €. Das versicherungstechnische Gesamtergebnis stieg auf 5.402 (5.264) Mio. €, das operative Ergebnis fiel auf 4.738 (5.923) Mio. €, vor allem bedingt durch das negative Währungsergebnis.

Die Rückversicherung Leben/Gesundheit erzielte in 2023 ein versicherungstechnisches Gesamtergebnis von 1.433 (1.041) Mio. €, damit wurde das angepasste Ziel von 1,4 Mrd. € erreicht. Das Segmentergebnis stieg auf 1.428 (1.314) Mio. €. Der Versicherungsumsatz aus abgeschlossenen Versicherungsverträgen sank wechselkursbedingt auf 10.725 (11.164) Mio. €.

Die Schaden/Unfall-Rückversicherung erzielte 2023 ein Segmentergebnis von 2.448 (3.423) Mio. €. Der Versicherungsumsatz aus abgeschlossenen Versicherungsverträgen stieg auf 27.061 (25.325) Mio. €. Die Schaden-Kosten-Quote betrug 85,2 (83,2) % des Versicherungsumsatzes (netto). Die normalisierte Schaden-Kosten-Quote betrug 86,5 %.

Die Gesamtbelastung durch Großschäden3 betrug 3.278 (3.741) Mio. €, in Q4 873 (525) Mio. €, wobei das Vorjahr besonders durch Hurrikan Ian belastet war. Diese Beträge beinhalten Gewinne und Verluste aus der Abwicklung für Großschäden aus vergangenen Jahren. Die Großschadenbelastung entspricht einem Anteil von 12,6 (15,4) % des Versicherungsumsatzes (netto) und lag damit sowohl in Q4 (13,0 %) als auch in Q1-4 unter dem erwarteten Wert von 14 %. Die von Menschen verursachten Großschäden summierten sich auf 943 (1.623) Mio. €. Die Belastung durch Großschäden aus Naturkatastrophen stieg auf 2.335 (2.118) Mio. €. Die genannten großschadenbezogenen Daten umfassen Effekte aus der Diskontierung und der risikobedingten Anpassung. Der größte Einzelschaden für Munich Re im Jahr 2023 war das Erdbeben in der Türkei mit einem Nominalbetrag von rund 0,7 Mrd. €, in Q4 Hurrikan Otis in Mexiko mit 453 Mio. €.

Die Angaben zu Großschäden sind mit den Vorjahreswerten nur eingeschränkt vergleichbar, da die Großschadengrenze ab 1. Januar 2023 auf 30 Mio. € erhöht wurde (in Vorjahren 10 Mio. €).

Mehr Extremwetter erfordert mehr Versicherungsschutz

Der Trend zu hohen Schäden durch immer häufigeres Extremwetter hält an. Munich Re bietet auch künftig ausreichend Versicherungskapazität für solche Risiken an, um in diesem Markt weiter zu wachsen. Die private Versicherungsindustrie stellt global grundsätzlich ausreichend Kapazität zur Verfügung, um diese zunehmenden Risiken zu decken. Entscheidend ist, dass nur mit einem angemessenen Preis für Versicherungsschutz Anreize für bessere Vorbeugemaßnahmen geschaffen werden. Mehr Vorsorge führt bei Extremwetter zu deutlich reduzierten Schäden und damit zu einer finanziellen Entlastung der Gesellschaft. Der Staat kann die Versicherbarkeit und den Preis für Versicherungsschutz durch staatliche Präventionsmaßnahmen sehr positiv beeinflussen.

„Backstop“ für große systemische Cyber-Risiken

Staatliche Mitwirkung ist auch im Bereich Cyber-Risiken nötig. Cyber-Risikomanagement ist in einer digitalisierten Welt von zentraler Bedeutung. Obwohl der globale Cyber-Versicherungsmarkt sich in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht hat, sind Cyber-Risiken nach wie vor weitgehend ungedeckt. Als globaler Marktführer investiert Munich Re stetig in Expertise und Kumul-Modellierungen, und stellt nachhaltige Kapazitäten für versicherbare Cyber-Risiken bereit. Die größten systemischen Cyber-Risiken, wie der Ausfall kritischer Infrastruktur oder Cyber-Krieg, können allerdings nicht von der Privatwirtschaft getragen werden. Ein staatlicher „Backstop“ hat das Potenzial, eine Lösung für dieses komplexe Problem zu sein. Deshalb sollte darüber auch in Deutschland, beziehungsweise in Europa, politisch diskutiert werden. In den USA hat dieser Dialog bereits begonnen.

Erneuerung zum 1. Januar 2024

Bei der Erneuerung der Rückversicherungsverträge per 1. Januar 2024 steigerte Munich Re das gezeichnete Geschäftsvolumen auf 15,7 Mrd. € (+3,5 %). Dank unserer engen Kundenbeziehungen und unseres gefragten Knowhows haben wir in fast allen Regionen und Sparten attraktive Geschäftsmöglichkeiten realisiert. Diese boten sich sowohl im Ausbau bestehender Kundenbeziehungen als auch im Neugeschäft. Gleichzeitig waren wir auch bereit, Geschäft aufzugeben, das nicht mehr unseren Vorstellungen in Bezug auf Preise oder Bedingungen entsprach. Die hohe Qualität unseres Portfolios konnte dank stabiler bzw. verbesserter Vertragsbedingungen und -konditionen gehalten werden.

Erneuert wurden rund zwei Drittel des Nicht-Leben-Rückversicherungsvertragsgeschäfts mit den Schwerpunkten Europa, USA und globales Geschäft.

Die Preise entwickelten sich insgesamt stabil und konnten die teilweise gestiegenen Schadeneinschätzungen, bedingt vor allem durch Inflation und andere Schadentrends, größtenteils mehr als kompensieren. Auch eine Erhöhung der Erstversicherungspreise ist in vielen Märkten zu verzeichnen, was Munich Re bei proportionalen Rückversicherungsverträgen zugutekommt. Insgesamt konnte das hohe Preisniveau für das Portfolio von Munich Re mit einem Anstieg um 0,3 % gehalten werden. Diese Angabe zum Preisanstieg ist, wie immer, risikoadjustiert, das heißt, Preiserhöhungen, denen ein gestiegenes Risiko und damit eine erhöhte Schadenerwartung gegenübersteht, werden verrechnet. Für die nächsten Erneuerungsrunden im April und Juli erwartet Munich Re trotz leicht zunehmenden Marktdrucks ein weiter positives Marktumfeld.

ERGO: Ergebnis von 721 Mio. €

Im Jahr 2023 verzeichnete Munich Re im Geschäftsfeld ERGO ein Ergebnis von 721 (572) Mio. €. Auf Q4 entfielen davon 78 (18) Mio. €. ERGO hat damit das Gewinnziel von ~0,7 Mrd. € erreicht. Der Versicherungsumsatz aus abgeschlossenen Versicherungsverträgen stieg spürbar auf 20.098 (18.896) Mio. € und lag damit auf dem in Q3 erhöhten Zielniveau.

Das Ergebnis des Segments ERGO International stieg deutlich auf 286 (92) Mio. €, dank eines starken profitablen Wachstums und einer deutlichen Verbesserung der versicherungstechnischen Entwicklung. Dazu trugen im Wesentlichen das Gesundheitsgeschäft in Belgien und Spanien sowie das Schaden-/Unfall-Geschäft in Polen bei. Im Vorjahr war das Ergebnis des Segments von Einmaleffekten beeinträchtigt.

Das Segment ERGO Schaden/Unfall Deutschland verzeichnete ebenfalls einen Ergebnisanstieg auf 252 (173) Mio. €. Das starke Segmentergebnis war geprägt von einer guten operativen Entwicklung und im Vergleich zum Vorjahr geringeren Großschäden sowie einem sehr guten Kapitalanlageergebnis.

Das Segment ERGO Leben/Gesundheit Deutschland erzielte ein Ergebnis von 183 (307) Mio. €. Aus der Auflösung der vertraglichen Servicemarge im Lebensversicherungs- und im lang laufenden Gesundheitsgeschäft waren geringere Erträge zu verzeichnen, die teilweise durch den Anstieg des versicherungstechnischen Ergebnisses aus dem kurz laufenden Gesundheits- und Reisegeschäft kompensiert werden konnten.

Das versicherungstechnische Gesamtergebnis des Geschäftsfelds stieg im Geschäftsjahr 2023 deutlich auf 2.144 (1.805) Mio. €, das operative Ergebnis lag bei 963 (889) Mio. €. Sowohl im Segment Schaden/Unfall Deutschland als auch im Segment International konnten die Schaden-Kosten-Quoten verbessert und so die entsprechenden Ziele für das Geschäftsjahr erfüllt werden: Im Segment Schaden/Unfall Deutschland betrug die Schaden-Kosten-Quote 88,9 (90,3) %, während sie im Segment International bei 90,1 (95,5) % lag.

Kapitalanlagen: Kapitalanlageergebnis bei 5.374 Mio. €

Das Kapitalanlageergebnis von Munich Re stieg im Jahr 2023 auf 5.374 (2.983) Mio. €. Die laufenden Erträge aus Kapitalanlagen erhöhten sich auf 6.950 (6.358) Mio. €, was vor allem auf die gestiegenen Zinsen zurückzuführen ist. Der Saldo aus Zu- und Abschreibungen lag bei -194 (-2.811) Mio. €. Der Saldo aus Gewinnen und Verlusten aus dem Abgang von Kapitalanlagen betrug -588 (3.755) Mio. €. Die Veränderung des beizulegenden Zeitwerts lag bei -65 (-3.649) Mio. €. Während Munich Re 2023 vom hohen Zinsniveau profitieren konnte, war das Vorjahr im Zuge des starken Zinsanstieges belastet.

Das Kapitalanlageergebnis in 2023 entspricht insgesamt einer Rendite von 2,5 % bezogen auf den durchschnittlichen Marktwert des Portfolios. Die laufende Rendite lag bei 3,2 % und die Wiederanlagerendite zum Jahresende bei 4,5 %. Die Aktienquote einschließlich aktienbezogener Derivate betrug zum 31.12.2023 3,7 % (31.12.2022: 2,0 %). Der Bestand an Kapitalanlagen betrug zum 31.12.2023 zu Buchwerten 218.462 (207.965) Mio. €.

Ausblick: deutlich erhöhte Gewinnerwartung gegenüber 2023

Munich Re strebt für 2024 ein Konzernergebnis von 5 Mrd. € an. Der Versicherungsumsatz der Gruppe wird voraussichtlich bei 59 Mrd. € liegen und die Kapitalanlagerendite dürfte sich merklich auf über 2,8 % verbessern.

Im Geschäftsfeld Rückversicherung rechnet Munich Re für 2024 mit einer Erhöhung des Versicherungsumsatzes auf 39 Mrd. € und einem gesteigerten Ergebnisbeitrag von 4,2 Mrd. €. In einem anhaltend günstigen Marktumfeld wird Munich Re weiterhin ihre starke Position nutzen, um noch mehr profitables Wachstum zu generieren. In der Rückversicherung Schaden/Unfall wird sich die Schaden-Kosten-Quote voraussichtlich auf 82 % verbessern. In der Rückversicherung Leben/Gesundheit erwartet Munich Re für 2024 ein leicht verbessertes versicherungstechnisches Gesamtergebnis von 1,45 Mrd. €.

Das Geschäftsfeld ERGO wird 2024 voraussichtlich einen Versicherungsumsatz von 20 Mrd. € generieren und damit die starke Entwicklung der vergangenen Jahre mit einem gesteigerten Ergebnisbeitrag von 0,8 Mrd. € fortsetzen. Für ERGO Schaden/Unfall Deutschland wird eine Schaden-Kosten-Quote von 87 % und für ERGO International von 90 % angestrebt.

Alle Zahlenangaben sind gerundet. Wie üblich steht diese Prognose unter dem Vorbehalt erhöhter Unsicherheiten aus geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen, eines erwartungsgemäßen Großschadenverlaufs, der Gewinn- und Verlustauswirkungen gravierender Währungs- und Kapitalmarktbewegungen sowie signifikanter Veränderungen der steuerlichen Rahmenbedingungen und anderer Sondereffekte.

Verantwortlich für den Inhalt:

Münchener Rück, Rückversicherungs­Gesellschaft, Königinstraße 107, D-­80802 München Tel.: 089/38910, Fax: 089/399056, www.munichre.de