Ein unerwartetes Erbe oder ein Lottogewinn kann das Leben auf den Kopf stellen.

Plötzlich beispielsweise eine halbe Million Euro zu besitzen, kann schließlich der Start in eine neue finanzielle Ära sein, birgt neben Chancen aber auch Risiken. Das Thema ist so komplex, dass sich die LAUREUS AG PRIVAT FINANZ für eine sechsteilige Serie entschlossen hat. Der erste Teil von „Plötzlich reich“ zeigt auf, wie die ersten richtigen Entscheidungen getroffen und aus einem Barvermögen ein stabiles Fundament für die Zukunft geschaffen werden können.

Wer plötzlich und unverhofft 500.000 Euro besitzt, kämpft oftmals mit gemischten Gefühlen: Überschwängliche Euphorie und Glück, aber auch Überforderung und die Angst, Fehler zu machen. Bevor Sie irgendwelche Entscheidungen treffen, sollten Sie sich daher bewusst machen: Sie haben Zeit und müssen nichts überstürzen. „Wer in solch einer Phase Ruhe bewahrt und die nächsten Schritte wohlüberlegt angeht, hat die größten Fehler bei Geldanlage und Vermögensplanung bereits vermieden“, Dirk Tastler, Berater bei der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ.

Zwar sind 500.000 Euro eine beeindruckende Summe, aber eben auch noch kein Betrag, der in der Regel – vor allem ohne weiteres Einkommen – ein finanziell sorgenfreies Leben ermöglicht. Daher ist es ratsam, zunächst auf teure Anschaffungen und Luxuskäufe zu verzichten; zumindest so lange, bis klar ist, welche Ziele mit dem Geld in welcher Zeit angestrebt werden und wo die mittel- bis langfristigen Prioritäten liegen. Das kann zum Beispiel die Erfüllung eines Traums sein, etwa eine Weltreise oder eine Immobilie, ein regelmäßiges Zusatzeinkommen oder ein Kapitalpolster für den Ruhestand. Denkbar ist auch, dass ein Teil dieser Summe an die Kinder oder Enkelkinder weitergereicht wird.

Der erste Schritt: Die Notfall-Reserve

„Bevor vorschnelle Investitionen getätigt werden, sollte zunächst einmal die Liquidität gesichert werden. Sinnvoll ist auch ein zusätzliches Notfall-Konto, auf das schnell zugegriffen werden kann“, empfiehlt Dirk Tastler. Hier sollte ein Betrag liegen, der Ausgaben für drei bis sechs Monate deckt. Dieses Geld dient als Puffer für unvorhergesehene Ereignisse wie eine Autoreparatur oder ein Jobverlust. Der Betrag sollte auf einem Tagesgeldkonto oder in Geldmarktfonds geparkt werden, da er dort sicher ist, Zinsen bringt, aber auch jederzeit schnell verfügbar bleibt.

Strategie statt Gier: Ihr persönlicher Finanzplan

Fakt ist: Ein großes Vermögen erfordert eine Strategie. Doch das hört sich einfacher an, als der eine oder andere nun denken mag, zumal die eine Strategie für alle Anlegerinnen und Anleger nun mal nicht existiert. Grund ist, dass jeder langfristige Anlageplan von zahlreichen Parametern – unter anderem von den Zielen, der Risikobereitschaft und dem Alter – bestimmt wird und daher individuell erstellt werden muss.

Vor allem der zur Verfügung stehende Anlagehorizont ist entscheidend – also die Zeit, die noch bleibt, bis das Kapital benötigt wird. „Je größer der Anlagehorizont, desto geringer das Verlustrisiko, da an der Börse vorübergehende Verluste langfristig wieder ausgeglichen werden können. Hinzu kommt, dass der Zinseszinseffekt erst auf lange Sicht seine Stärke richtig ausspielt“, weiß Laureus-Experte Dirk Tastler. Im Umkehrschluss bedeutet dies: „Wird das Investmentkapital schon nach wenigen Jahren benötigt, sollten allzu große Risiken gemieden werden“, fügt Tastler hinzu.

Eine guter Investmentplan basiert häufig auf drei Komponenten:

  1. Sicherheit (rund 10 bis 20 Prozent): Hier sollten Anlegerinnen und Anleger das Geld zum Beispiel in Festgeld, Geldmarktfonds, risikoarme, kurzfristig laufende Anleihen oder besser kurzfristig laufende Rentenfonds investieren, die auch in Krisen oder in turbulenten Börsenphasen nur geringfügige Schwankungen aufweisen und wenig im Wert verlieren – oder vielleicht sogar gerade dann an Wert gewinnen. Auch physisches Gold sollte hier genannt werden, das traditionell eine sichere Anlage in Krisenzeiten darstellt.
  1. Rendite (circa 60 bis 70 Prozent): Dies ist der Teil des Vermögens, der wachsen soll. Je nach Risikobereitschaft und Anlagehorizont kann dieser Anteil in Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Fonds oder alternative Investments wie Private Equity fließen. Entscheidend ist dabei vor allem: die verschiedenen Assetklassen so zu mischen und zu gewichten, dass es zum persönlichen Risikoprofil und den Anlagezielen passt. Eine entsprechende Streuung des Anlagekapitals – Stichwort Diversifikation – ist dabei elementar, um die Renditechancen zu erhöhen und die Verlustrisiken zu minimieren.
  1. Spekulation (maximal 10 Prozent): Wer das Risiko nicht scheut, kann diesen Teil als zusätzlichen Renditeturbo nutzen. Hier kann etwa in Kryptowährungen, Start-ups oder Wachstumsaktien von kleineren und mittleren Unternehmen investiert werden. Weil diese Investments deutlich höhere Risiken bergen, sollte hier nur Geld investiert werden, auf dass die Investierenden im schlimmsten Fall vollständig verzichten können.

Psychologische Fallstricke: So meiden Sie die größten Fehler

Ganz gleich, in welche Assetklasse investiert wird, grundsätzlich gilt: Je chancenreicher und damit auch risikoreicher ein Investment ist, desto besser müssen die Nerven des Anlegers sein. Einer der häufigsten Anlegerfehler ist der Panikverkauf aus Verlustangst. „Anlegerinnen und Anleger müssen sich klarmachen, dass Kursrückgänge völlig normal sind, sich die Börse – das zeigt ein Blick in die Vergangenheit – auf lange Sicht jedoch immer wieder erholt hat“, erklärt Laureus-Experte Dirk Tastler.

Auf der anderen Seite sollten Anlegerinnen und Anleger aber auch keine allzu hohen Renditeerwartungen haben und damit einhergehend zu hohe Risiken eingehen. Auch jedem Trend hinterherzulaufen und das eigene Depot häufig umzuschichten, macht sich in der Regel nicht bezahlt. Wer Aktien und Anleihen häufig kauft und verkauft, zahlt hohe Transaktionsgebühren, erreicht unter dem Strich jedoch nur selten eine höhere Rendite. Im Gegenteil: „Hektisches Kaufen und Verkaufen ist vor allem ein Zeichen dafür, dass eine auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmte Strategie fehlt und auf lange Sicht somit wohl kaum die ursprünglichen Ziele erreicht werden können“, meint Experte Tastler. Es gibt eine alte Börsenweisheit die besagt: “Hin und her macht Taschen leer.”

Langfristigkeit siegt: Das Geheimnis des Zinseszinseffekts

Der größte Feind des Anlegers ist die Inflation und der stärkste Verbündete der Zinseszinseffekt. Wenn etwa 500.000 Euro mit einer durchschnittlichen Rendite von sechs Prozent pro Jahr angelegt werden, würde sich das Vermögen in weniger als zwölf Jahren verdoppeln. Das funktioniert aber nur, wenn das Geld investiert bleibt und die Zinsen und Dividenden reinvestiert werden.

Wichtig ist zudem, dass etwa alle zwölf Monate das Depot überprüft werden sollte, ob die Portfoliozusammensetzung noch der Anlagestrategie entspricht oder ob sich durch Kursbewegungen Ungleichgewichte und Klumpenrisiken gebildet haben. In der Fachsprache sagt man dazu, man führt ein Rebalancing durch. Dann sollte bei Bedarf nachjustiert werden. Hier kann es auch sinnvoll sein, Anlagen, die kurzfristig an Wert verloren haben, deren Aussichten aber weiter gut sind, aufzustocken. Dieses sollte ein fester Bestandteil des Gespräches mit Ihrem Anlageberater sein.

Ein unerwartetes Vermögen ist eine fantastische Chance, um die Grundlagen für ein finanziell sorgenfreies Leben zu legen. Ein gut durchdachter Plan, der konsequent verfolgt wird, ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.

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