Tech-Boom, asymmetrisches Risiko, viele Neuemissionen: 2025 feiern Wandelanleihen ein spektakuläres Comeback.
Daniel Gonzenbach von Holinger Asset Management erläutert, warum sie strategisch weit mehr bieten als kurzfristigen Schutz.
Nach zwei durchwachsenen Jahren erlebt der Wandelanleihemarkt 2025 einen Aufschwung. Das Emissionsvolumen liegt rund 50 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders wachstumsstarke Tech-Unternehmen setzen verstärkt auf Convertibles. Schon Giganten wie Tesla oder Meta nutzten Wandelanleihen, um Kapital aufzunehmen. Heute bleibt das Instrument entscheidend für junge, dynamische Firmen und erschließt Investoren Chancen in Märkten, die schwer zugänglich sind.
Wandelanleihen können von Kurssteigerungen zugrundeliegender Aktien profitieren und federn Verluste ab, wenn es turbulenter wird – gewissermaßen als Aktien mit Sicherheitsgurt. Ein Beispiel auf Fondsbasis ist der H.A.M. Global Convertible Bond Fund, der 2025 eine Rendite von rund 13 bis 15 Prozent bei deutlich geringerer Volatilität als klassische Aktienstrategien erzielte. Daniel Gonzenbach, Inhaber und Senior Portfolio Manager bei der Wandelanleihen-Boutique Holinger Asset Management, setzt auf einen disziplinierten Ansatz mit Fokus auf Fundamentaldaten, Sondersituationen und bewusste Abkehr von Indizes. Dafür wurde er zwei Mal mit einem Scope Award ausgezeichnet. Im Gespräch mit Scope-Analystin Manqing Sun erklärt er, warum Wandelanleihen mehr als ein Kriseninstrument sind und welchen Mehrwert sie Portfolios bieten.
Asymmetrie mit System
Convertibles verbinden die planbare Rückzahlung einer Anleihe mit dem Aufwärtspotenzial von Aktien. Das ergibt ein asymmetrisches Profil: Kurschancen nach oben, Risikobegrenzung nach unten. Gonzenbach setzt auf ein ausbalanciertes Portfolio und meidet Benchmarks, die oft Klumpenrisiken bergen. Stattdessen kommen handverlesene Titel ins Portfolio. „Viele stammen aus Asien, wo Wachstumsunternehmen das Instrument für sich entdecken“, sagt Gonzenbach. Auch synthetische Convertibles werden genutzt, wenn klassische Anleihen fehlen oder zu teuer sind.
Das sechsköpfige Team bringt jahrzehntelange Erfahrung mit und nutzt ein globales Universum von rund 1.000 Emittenten. In ihrer Datenbank verfolgen sie täglich bis zu 800 Namen, um schnell auf Chancen reagieren zu können. „Investmententscheidungen entstehen nicht sektoren- oder länderspezifisch, sondern in täglichen Teamrunden, in denen wir Ideen gemeinsam diskutieren“, so Gonzenbach.
Blick ins Portfolio
Wie Wandelanleihen ihre Stärken ausspielen, zeigt der koreanische Speicherchiphersteller SK Hynix. Dessen Wandelanleihe notiert aktuell beim Vielfachen ihres Ursprungswertes dank starker Aktienentwicklung. Gerade in Märkten mit eingeschränktem Zugang wie Korea oder China fungieren Convertibles so als flexibler Aktienersatz. „Positionen werden situativ angepasst und nach starken Kursgewinnen auch wieder reduziert“, sagt Gonzenbach.
Titel wie SK Hynix zeigen, was Wandelanleihen leisten, wenn Analyse und Auswahl stimmen: Sie ermöglichen eine Beteiligung an Wachstum, ohne Anleger voll ins Risiko zu schicken. Auch für Privatanleger sind Convertibles ein attraktives Instrument, um langfristig an Unternehmenserfolgen zu partizipieren, ohne auf perfektes Timing angewiesen zu sein. Denn bleibt der große Erfolg aus, schafft die Anleihestruktur zumindest ein eingebautes Sicherheitsnetz.
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