Von David Wehner, Head of Liquid Assets bei FGTC Investment (vormals Do Investment)

Die Börse krönt keine Ewigen – sie sucht stets neue Könige. Und noch ist es die Ära der Magnificent 7 – jener sieben Tech-Giganten Apple, Alphabet, Amazon, Meta , Microsoft, Nvidia und Tesla, die seit 2023 die Börsenwelt beherrschen. Doch ihr Zenit könnte bereits überschritten sein. Warum das so sein könnte und wer sich anschickt die nächste Börsen-Epoche zu prägen.

Noch allerdings sind die Mag 7 die weiterhin die zentralen Treiber des S&P 500. Mit einer Indexgewichtung von rund 40 Prozent und einem Gewinnanteil von 30 bis 35 Prozent prägen diese sieben Tech-Riesen den Markt, doch ihre Dynamik unterliegt zunehmenden Verschiebungen. Solche Marktkonzentrationen sind nicht neu; wir haben sie in den letzten 100 Jahren immer wieder erlebt, wie etwa Anfang der 2000er mit Exxon, Cisco oder Time Warner. Historisch gesehen sind solche Konzentrationen zyklisch, immer wieder durchlaufen Top-Player Phasen hoher Dominanz.

In nächster Zeit – also in den kommenden fünf bis sieben Jahren – bleiben die Magnificent 7 sicherlich relevant, getrieben von den Megatrends KI und Digitalisierung. Langfristig jedoch, also über einen Zeitraum von 30 Jahren etwa, würde ich deren Bedeutung mit einem großen Fragezeichen versehen. Denn: Die Gewinner der ersten Stunde könnten überholt werden, ähnlich wie in vergangenen Zyklen. Oder Unternehmen aus der „zweiten Reihe“ wie Oracle, Palantir, AMD oder Broadcom, die stark performen – etwa durch Kollaborationen mit OpenAI – treten dann ins Scheinwerferlicht. In Asien, wo letztes Jahr noch Abstinenz empfohlen wurde, sind Titel wie Tencent, Baidu und Alibaba Top-Performer. Quantencomputing könnte diesen Wandel beschleunigen: Es würde KI effizienter machen, ohne teure Chips zu benötigen, und sogar Bitcoin hackbar machen. Nvidia müsste sich anpassen, um relevant zu bleiben, sonst profitieren andere.

Schwachpunkt – Monetarisierung von KI

Ein häufig übersehener Punkt ist die Monetarisierung von KI: Bisher gibt es keine signifikante Umwandlung von Technologie in Geld und Gewinne, abgesehen von Kosteneinsparungen, wie bei Microsofts Entlassungen. Warnsignale sind zudem Karussellgeschäfte – wie etwa Investitionen von AMD/Nvidia in OpenAI, die dann Chips zurückkaufen –, ähnlich wie in der Dotcom-Bubble. OpenAIs Annäherung an erotisch-pornografische Inhalte nach dem Vorbild von OnlyFans und die Debatte über staatliche Garantien für die enormen Investitionen lassen auf wachsenden Druck und verzweifelte Versuche zur Monetarisierung schließen. Auf Konferenzen zeigt sich: Fast alle nutzen OpenAI, aber nur ein Bruchteil zahlt für das Premium-Abo.

KI ist zudem die einzige entwickelte Technologie, der man von vornherein nicht oder kaum vertraut, da sie den Nutzer gerne auch mal eloquent anlügt oder drücken wir es vorsichtiger aus: Sie gestaltet die Wahrheit großzügig und legt sie flexibel aus. Die Milliarden-Dollar-Frage im Silicon Valley: Wie wird sie vertrauenswürdig? Erst dann entfaltet sie Potenzial in Forschung (z. B. Pharma, Krebs, Medizin), Ingenieurwesen, Infrastruktur oder Geologie, wo sie Effizienzen steigert und Kosten senkt. Bis dahin bleiben Anwendungen wie Chatbots rudimentär, und Mittelständler nutzen nur Standard-Tools wie Gemini oder Grok.

Investoren kaufen bei KI die Vergangenheit

Für Anleger, vor allem jene, die über ETFs investieren, gilt: Sie kaufen im Wesentlichen die Vergangenheit, da kapitalgewichtete Indizes wie der S&P 500 Spitzenwerte wie Nvidia oder Microsoft besonders stark gewichten. Aktive Manager können schneller auf Veränderungen reagieren, zum Beispiel früh in sich abzeichnende Trends und Entwicklungen investieren. Grundregel sollte jedoch sein: Vermeiden Sie Konzentration! Ein Vorgehen könnte sein: Ein Kerninvestment in Technologie und Satelliten-Investitionen in Biotechnologie, KI, Quantencomputing, Blockchain, Energie (von Rohstoffen bis Netzsteuerung) und in den asiatischen IT-Bereich. Der Anlagehorizont sollte mindestens zehn bis 20 Jahre betragen.

Mein Fazit: Die Magnificent 7 haben weiterhin eine Berechtigung im Portfolio: durch Gewinnwachstum, solide Bilanzen und Dividenden. Sie sind nicht mehr so überbewertet wie vor zwei bis drei Jahren und können in die höhere Bewertungen hineinwachsen. Doch ihre Dominanz hat eine Halbwertszeit. So wie die 50 Wachstumsaktien „Nifty-Fifty“, die zwischen 1960 und 1970 sehr beliebt waren. 1972 platzte die Blase. Manche Unternehmen, wie McDonald’s, Walmart, Walt Disney oder Pfizer haben überlebt, andere wurden aufgekauft oder sind heute nicht mehr operativ tätig. Die Magnificent 7 sind nicht passé, aber wie schon eingangs erwähnt: Die Börse krönt keine Ewigen – sie sucht stets neue Könige.

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