Deutschland wird zum Sorgenkind Europas: Während Griechenland, Italien und Spanien ihre NPL-Altlasten konsequent abgebaut haben, steigen die notleidenden Kredite hierzulande auf ein historisch hohes Niveau.
Gleichzeitig gilt mit dem Kreditzweitmarktgesetz (KrZwMG) ein neuer Regulierungsrahmen und verändert die Spielregeln für alle Marktteilnehmer grundlegend. Das zeigt die soeben erschienene Jahrespublikation 2026 der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS).
Im Mittelpunkt steht das sogenannte „Europa-Paradoxon“: Während Südeuropa seine Bankbilanzen bereinigt hat und heute über funktionierende NPL-Infrastrukturen verfügt, nähert sich Deutschland mit einer Stage-2-Quote von 15,52 Prozent des gesamten Kreditvolumens einem kritischen Niveau – dem höchsten Wert in der gesamten Europäischen Union. Der EU-Durchschnitt liegt bei 9,10 Prozent. Diese Stage-2-Kredite mit erhöhtem Ausfallrisiko signalisieren, dass 2026 weitere NPL-Zuwächse zu erwarten sind.
Die Ursachen sind vielschichtig: Deutschland ist die einzige große Volkswirtschaft, die 2023 und 2024 jeweils schrumpfte. Die Insolvenzzahlen haben mit rund 23.900 Firmeninsolvenzen im Jahr 2025 einen 20-Jahres-Höchststand erreicht, für 2026 werden weitere 25.000 Fälle erwartet. Der gewerbliche Immobilienmarkt steckt in einer tiefen Anpassungsphase mit einem Refinanzierungsbedarf von 74 bis 86 Milliarden Euro allein im erstrangigen Bereich für die Jahre 2026 bis 2028. Hinzu kommt ein struktureller Wandel im Bankensektor: Erstmals sank die Zahl der Sparkassen und Genossenschaftsbanken unter die Marke von 1.000 Instituten.
Aus regulatorischer Sicht markiert das Inkrafttreten des Kreditzweitmarktgesetzes eine Zäsur: Bis heute hat die BaFin bereits 31 Kreditdienstleistungsinstitute nach der neuen Regulierung zugelassen. Die Konsequenzen dieser Professionalisierung für Kreditkäufer und Servicer sind vielschichtig, von neuen Compliance-Anforderungen über den europäischen Pass bis hin zu den Auswirkungen der überarbeiteten Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II) und der Insolvenzharmonisierungsrichtlinie.
Der Jahresbericht behandelt zudem das Konzept des Sanierungseigentümers, die Abwicklung notleidender Immobilienprojekte im aktuellen Marktumfeld sowie die veränderte Rolle internationaler Investoren im deutschen NPL-Markt. Auch finden sich Zahlen, wie stabil Wohnimmobilienkredite trotz Zinswende und Refinanzierungsdruck bleiben.
Die Publikation enthält außerdem ein persönliches Vorwort von BKS-Präsident Jürgen Sonder, der nach acht Jahren an der Verbandsspitze den Staffelstab übergibt und die Entwicklung der BKS auf ihrem Weg zum Thinktank der NPL-Community und zur europäischen Interessenvertretung beschreibt.
Die Jahrespublikation der BKS kann unter https://bks-ev.de/bks-jahrespublikation/ abgerufen oder in der BKS-Geschäftsstelle unter info@bks-ev.de bestellt kann.
Über die BKS
Die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) wurde 2007 gegründet, hat ihren Sitz in Berlin und vertritt die Interessen ihrer 40 im Sekundärmarkt tätigen Mitgliedsunternehmen in Deutschland. Bezogen auf das Transaktionsvolumen spiegeln die Mitglieder der BKS den größten Teil des deutschen Marktes wider. Die BKS setzt sich zusammen mit ihrem Beirat, der überwiegend aus Vertretern deutscher Kreditinstitute besteht, auf politischer und fachlicher Ebene für einen funktionierenden und transparenten Sekundärmarkt ein. Mit Portfoliotransaktionen und Servicing von NPLs (Non-performing Loans) sichern Kreditdienstleister die Liquidität des Bankensektors, damit Neukredite an Darlehensnehmer vergeben werden können. Gleichzeitig helfen sie Banken, Sparkassen und Landesbanken mit dem Verkauf von notleidenden Darlehensforderungen, ihre Risikostrukturen zu verbessern.
Verantwortlich für den Inhalt:
Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing e.V., Marienstraße 14, 10117 Berlin, Tel: +49 (0) 30 204534-15, www.bks-ev.de
