„Trotz der laufenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA bleibt die Straße von Hormus weiterhin gesperrt.

Mit jedem Tag steigt die Gefahr eines ungünstigen Szenarios für die europäische Wirtschaft. Zwar hat der Waffenstillstand im Großen und Ganzen gehalten, und die jüngsten Medienberichte deuten darauf hin, dass die Konfliktparteien wesentliche Fortschritte auf dem Weg zu einer Einigung erzielt haben, was eine starke Erholung risikoreicher Anlagen ausgelöst hat. Die Unsicherheit ist trotzdem nach wie vor groß“, sagt Eric Bertrand, CEO von Ofi Invest Asset Management.

„Der unvermeidliche Anstieg der Inflation beschränkte sich im März und April zwar auf den Energiesektor, übte aber dennoch Druck auf die Zentralbanken aus. Angesichts einer nach wie vor robusten US-Wirtschaft und hoher Inflation bleibt der Fed in den kommenden Monaten trotz des Amtsantritts von Kevin Warsh als Vorsitzendem kaum eine andere Wahl als der Status quo. Die EZB hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und sich nicht auf eine Zinserhöhung im Juni festgelegt, aber dennoch die Weichen dafür gestellt. Die einzige Entwicklung, die daran noch etwas ändern könnte, wären die dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus und eine Normalisierung der Energiepreise. Der Status quo sollte die Finanzmärkte nicht in Sicherheit wiegen. Vielmehr spiegelt er einen erzwungenen Kompromiss der Zentralbanken zwischen Inflation, verlangsamtem Wachstum und Zweitrundeneffekten wider.

Die zentrale Frage ist, inwieweit der Energieschock tatsächlich vorübergehend ist. Die Märkte preisen sowohl in die Nominalzinsen als auch in die Inflations-Breakeven-Raten eine Inflationsprämie ein und scheinen darauf zu setzen, dass der Energieschock vorüber geht, was aber noch lange nicht ausgemacht ist. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen hat sich bei rund 3 % eingependelt, die Rendite von US-Treasuries bei rund 4,40 %.

Bemerkenswert ist, dass Aktien und Unternehmensanleihen von diesen Risiken kaum betroffen scheinen. Die Credit Spreads sind wieder auf das Niveau vom Februar zurückgekehrt, und die US-Aktienmärkte befinden sich auf ihrem Jahreshoch, getragen von soliden Fundamentaldaten sowie von Technologie und Künstlicher Intelligenz – die Dynamik ist ungebrochen.

Angesichts der oben genannten Punkte ist dies kein günstiger Zeitpunkt für aggressive Wetten. Vorerst halten wir an einer leichten Übergewichtung europäischer Hochzinsanleihen und Aktien fest, da die Renditeaussichten bis zum Jahresende weiterhin positiv sind.“

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