Der Markt preist eine rasch sinkende Inflation ein.
Elida Rhenals von BNP Paribas Asset Management hält das für zu sorglos – und ist der Auffassung, dass inflationsgebundene Anleihen davon profitieren können.
Die Inflationswelle von 2022 ist vorbei, doch die Welt hat sich verändert. Energie bleibt ein Unsicherheitsfaktor, Lieferketten werden umgestaltet, Staaten geben viel Geld für Infrastruktur und Verteidigung aus. Dazu kommen geopolitische Konflikte und Klimarisiken. Trotzdem preisen die Märkte ein, dass Inflation wieder verlässlich Richtung Notenbankziele fällt. Was aber, wenn die Gelassenheit zu früh kommt?
Elida Rhenals, Portfoliomanagerin für Inflation-Linked-Bond-Strategien bei BNP Paribas Asset Management, ist der Auffassung, dass inflationsgebundene Anleihen in diesem Umfeld an Bedeutung gewinnen. Ihr Team steuert verschiedene Inflation-Linked-Bond-Strategien mit mittelfristigem Blick und verwaltet mehr als zehn Milliarden Euro. Der Anspruch: ein Rentenbaustein, der Kaufkraftschutz bietet, Volatilität begrenzt und reale Ertragschancen nutzt.
Niedrige Inflation als Anomalie
Die Phase extrem niedriger Inflation vor der Pandemie war laut Rhenals eher Ausnahme als Regel. Zugleich hilft Geldpolitik gegen viele aktuelle Risiken nur begrenzt: Notenbanken können die Nachfrage bremsen, aber keine Lieferketten reparieren, kein Öl fördern und keine Ernteausfälle verhindern. Deshalb sieht Rhenals kurzfristige Inflationsrisiken am Markt unterschätzt. Für klassische Anleihen ist das ein Problem: Ihre Zinszahlungen sind fest. Fällt die Inflation höher aus als erwartet, verlieren sie real an Kaufkraft. Inflationsgebundene Anleihen setzen hier an, indem ihr Kapitalbetrag an die tatsächliche Teuerung angepasst wird. Steigen Verbraucherpreise, wächst der Rückzahlungswert. Der Schutz ist in der Konstruktion angelegt.
Derzeit findet Rhenals vor allem den Preis des Schutzes attraktiv. Der Markt preist für die kommenden Jahre Inflationsraten von rund 1,9 Prozent ein. Wer glaubt, dass die Teuerung darüber liegen könnte, bekommt ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis. Der mögliche Nachteil sei gering im Vergleich zu den Risiken nach oben: Bleibt Inflation harmlos, kostet der Schutz etwas Rendite. Kommt sie stärker zurück, kann er sich deutlich bezahlt machen. Hinzu kommt, dass Realrenditen wieder positiv sind. Inflationsgebundene Bonds können damit nicht nur absichern, sondern auch reale Erträge liefern.
Aktives Management zählt
Automatisch funktioniert der Inflationsschutz aber nicht. Rhenals betont, dass die Anlageklasse oft missverstanden wird: Inflationsgebundene Anleihen bieten Inflationsausgleich, bleiben aber Anleihen. Ihre Kurse reagieren auf Realzinsen. Je länger die Laufzeit, desto stärker kann dieses Zinsrisiko durchschlagen. Deshalb reicht es nicht, pauschal Inflationsschutz zu kaufen. Entscheidend ist, an welcher Stelle der Realzinskurve und in welchem Markt Anleger investiert sind.
Aus dieser Einschätzung folgt ihre aktuelle Positionierung. Der Fokus liegt auf kurzen bis mittleren Laufzeiten, vor allem im Drei- bis Fünfjahresbereich. Dort können Inflationsüberraschungen stärker wirken, während das Zinsrisiko besser kontrollierbar bleibt. Zugleich steuert das Team regional: Je nachdem, wo Inflationsdruck entsteht, können mal US-TIPS, mal europäische inflationsgebundene Anleihen attraktiver sein.
Verantwortlich für den Inhalt:
Scope Analysis GmbH, Lennéstraße 5, D-10785 Berlin, Tel: +49 30 27891-0, Fax: +49 30 27891-100, www.scopeanalysis.com
