Anlegerinnen und Anleger können zahlreiche Investments-Vehikel zum Vermögensaufbau nutzen.

Besonders beliebt sind passiv und aktiv gemanagte ETFs sowie klassische Investmentfonds. Welches Anlageprodukt die beste Wahl ist, wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst und kann daher nicht pauschal bestimmt werden. Nur so viel: Wer in so turbulenten und schwankungsintensiven Börsenzeiten wie derzeit blind auf passiv gemanagte ETFs setzt, könnte Probleme bekommen.

Vergleichsweise geringe Kosten und eine breite Diversifikation – die Vorteile von passiv gemanagten Fonds, sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds), sind inzwischen zahlreichen Anlegerinnen und Anlegern bekannt. Auch die einfache Konstruktion und die hohe Transparenz ist für viele Investierende womöglich ein Kauf-Argument. Schließlich weisen ETFs stets eine nahezu identische Performance auf wie der zugrundeliegende Basiswert. Steigt also beispielsweise der DAX um fünf Prozent, legt auch der entsprechende ETF um rund 5 Prozent zu. Verliert der Referenzwert hingegen fünf Prozent an Wert, geht es auch für den ETF um etwa fünf Prozent bergab.

Passive Fonds bieten Vorteile, haben aber auch einige Nachteile

„ETFs entwickeln sich nicht schlechter als der Markt, aber eben auch nicht besser. Und genau hier liegt die Gefahr“, meint Waldemar Hirsch, Berater der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ. In ruhigen Börsenphasen mag das für viele Anlegerinnen und Anleger kein Problem sein; anders sieht das hingegen in Korrekturphasen aus. Dann haben ETF-Investierende keine andere Wahl, als den Kursverfall hinzunehmen, ohne dass jemand aktiv eingreift.

Ein weiteres strukturelles Problem: ETFs auf marktkapitalisierungsgewichtete Indizes kaufen automatisch die größten und damit oft die teuersten Unternehmen – eine Klumpenkonzentration, die sich vor allem in Zeiten sektoraler Rotation als Problem erweisen kann. Denn: „Wer regelmäßig in einen ETF investiert, der nach Marktkapitalisierung seiner Index-Mitglieder gewichtet ist, der favorisiert die Aktien, die schon vergleichsweise stark gestiegen sind. Und dies wiederum kann dazu führen, dass die Chancen von morgen dabei häufig zu kurz kommen“, erklärt Berater Hirsch.

Kurzum: Passive ETFs bieten zwar einige Vorteile, dennoch sollten sich Anlegerinnen und Anleger die Frage stellen, ob diese Produkte in unruhiger werdenden Zeiten, in denen die Konjunktur an Fahrt verliert und die Unsicherheit an Dynamik gewinnt, eine gute Wahl sind.

Investmentfonds punkten mit aktivem Management und Research-Unterstützung, sind aber teurer

Vor allem bei einer komplexen Gemengelage wie derzeit – gekennzeichnet durch geopolitische Risiken, steigende Inflation und unsichere Konjunktur- und Zinsentwicklungen –, kommt es darauf an, die marktrelevanten Faktoren zu erkennen, zu analysieren und sich entsprechend zu positionieren. „Gerade in solch aktiven Phasen spielen klassische Investmentfonds häufig ihre Stärken aus“, erklärt Waldemar Hirsch und fügt hinzu: „Schließlich trifft hier ein Portfoliomanager – in der Regel unterstützt von einer hauseigenen Research-Abteilung – aktiv Entscheidungen darüber, welche Titel er kauft, welche er meidet und wann er Risiken reduziert“. Diese Managementleistung gibt es natürlich nicht zum Nulltarif. So liegt die Gesamtkostenquote (TER) bei Investmentfonds häufig zwischen 1,2 und 2,0 Prozent, während sie bei ETFs zwischen 0,1 und 0,6 Prozent liegt.

Da Investmentfonds nicht börsentäglich gehandelt werden – die Anteile werden einmal täglich zum Nettoinventarwert ausgegeben und zurückgenommen –, entfällt ein wesentlicher Stressfaktor: vorschnelle Verkäufe institutioneller und privater Anleger in Echtzeit. Während ETF-Kurse in besonders hektischen Phasen im Tagesverlauf kräftig unter Druck geraten können, bleiben Investmentfonds von solchen Marktüberreaktionen zunächst abgeschirmt. Das gibt Managern Zeit, wohlüberlegt zu handeln. Der klassische Fonds fördert einen langfristigen Anlagehorizont und reduziert den Anreiz zu kurzfristigem, emotionalem Handeln.

Aktiv gemanagte ETFs – zwischen Investmentfonds und klassischen ETFs

Und aktiv gemanagte ETFs? Sie sind die hybride Antwort auf klassische ETFs und Investmentfonds. Dies bedeutet: Aktiv gemanagte ETFs sind börsennotiert und täglich handelbar wie klassische ETFs, orientieren sich an einem Index, sind aber nicht starr an ihn gebunden. Ein Portfoliomanager gibt also die Richtung vor; er entscheidet, welche Titel gekauft, welche gemieden und wann Risiken reduziert werden. „Bei steigender Volatilität kann also etwa die Cashquote erhöht, gezielt in defensive Sektoren rotiert oder solche Einzeltitel gemieden werden, die im Index übergewichtet, fundamental aber überbewertet sind. In einem Marktumfeld wie dem aktuellen kann sich diese Flexibilität als recht hilfreich erweisen“, schätzt Experte Hirsch. Gleichzeitig bleibt die Kostenstruktur mit einer Quote zwischen 0,4 und 0,8 Prozent jährlich vergleichsweise attraktiv.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass das Segment der aktiv gemanagten ETFs rasant wächst. Laut Daten des unabhängigen Forschungs- und Beratungsunternehmens ETFGI flossen allein 2025 weltweit über 637 Milliarden US-Dollar in aktive ETF-Strukturen – ein Rekord.

Die Diskussion „aktiv oder passiv“ greift ebenso zu kurz wie die ausschließliche Fokussierung auf möglichst geringe Kosten. Sowohl klassische Investmentfonds als auch ETFs können – richtig eingesetzt – wertvolle Bausteine einer erfolgreichen Vermögensstrategie sein. Entscheidend ist nicht das Anlagevehikel, sondern wie es im Rahmen einer durchdachten Gesamtstrategie eingesetzt wird.

Gerade in volatilen Marktphasen kommt es darauf an, Anlageentscheidungen diszipliniert, strategisch und frei von Emotionen zu treffen. Ein klarer Investmentprozess, eine konsequente Umsetzung und der langfristige Blick auf die individuellen Anlageziele schaffen häufig mehr Mehrwert als die reine Entscheidung für aktives oder passives Investieren.

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