Erstklassige Staatsanleihen sind immer noch ein passendes Versicherungsinstrument gegen Stressphasen an den Märkten. „Als Renditebringer allerdings werden sie auch 2021 nicht die erste Wahl sein“, sagt Carsten Gerlinger, Vice President von Moventum AM.

 

„Werden all die beschlossenen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen umgesetzt, wird sich das noch weit über 2021 hinaus positiv auf das Weltwirtschaftswachstum auswirken“, sagt Gerlinger. Zudem sind, etwa in den USA, weitere fiskalpolitische Hilfsmaßnahmen in der Pipeline. Die Notenbanken haben ebenso angekündigt, ihre expansive Geldpolitik fortzuführen beziehungsweise gegebenenfalls noch einmal zu verstärken. Gute Aussichten also für die Weltwirtschaft, die in einen neuen Konjunkturzyklus starten könnte.

Auch die Inflationsraten werden sich im laufenden Jahr an die Ziele der Notenbanken annähern: Covid-19 sowie der Ölpreisverfall hatten die Inflation leicht unter null Prozent gedrückt. „Wir sehen hier aber, dass die beschlossenen fiskal- und geldpolitischen Programme zu keiner grundsätzlichen Güterpreisinflation, sondern vielmehr zu einer Assetpreisinflation (Anleihen, Immobilien, Aktien) führen“, sagt Gerlinger. 2021 greifen dann vor allem Basiseffekte wie der höhere Ölpreis, die CO2-Steuer in Europa sowie in Deutschland die Wiederheraufsetzung der Mehrwertsteuer und lassen die Inflation in Richtung der bisherigen Zentralbankziele ansteigen. „In den USA sind sogar Inflationsraten von etwas mehr als zwei Prozent möglich“, so Gerlinger.

Für die Portfoliokonstruktion bedeutet dies, dass Bundesanleihen im Kontext des Konjunkturszenarios 2021 unattraktiv sind. „Kursgewinne halten wir nur bei einer Risikozunahme für möglich“, so Gerlinger. Von daher eignen sich die Anleihen nur noch als Versicherungsinstrument gegen Stressphasen. Staatsanleihen aus den Peripheriestaaten bieten zwar noch einen Renditeaufschlag, die Risikoprämie ist aber relativ gering. „Wie in den USA erwarten wir auch bei Bundesanleihen am langen Ende eine leichte Versteilung der Renditestrukturkurve. Das Renditeniveau bleibt absolut gesehen unattraktiv“, sagt Gerlinger.

In den USA gilt Ähnliches: Der neue US-Präsident Biden steht für hohe Staatsausgaben und damit für eine höhere Staatsverschuldung. „Wir erwarten am langen Ende einen Anstieg der Renditen auf etwas über ein Prozent“, sagt Gerlinger. „Dies wird zu einer Versteilung der Zinsstrukturkurve führen. Am kurzen Ende werden die Zinsen auf dem ganz niedrigen Niveau stabil bleiben.“ Mit einem ersten Zinsschritt rechnen die Marktteilnehmer nicht vor 2023, manche sogar erst in Richtung 2025. Sollte es zu einem stärkeren Renditeanstieg auf deutlich über ein Prozent bei den 10-J+ährigen kommen, so ist es möglich, dass die US-Notenbank die Zinsstrukturkurve nach japanischem Vorbild direkt steuern wird. Auch hier gilt: „An US-Staatsanleihen als ein erstklassiges Versicherungsinstrument gegen Stressphasen gibt es keinen Zweifel“, so Gerlinger.

US-High-Yields sind durch die Ankündigung der US-Notenbank, im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms auch solche Anleihen kaufen zu wollen, abgesichert. Die Volatilität wird hoch bleiben, das Timing wird unverändert ambitioniert sein. „Beim Bond-Picking trennt sich hier die Spreu vom Weizen“, so Gerlinger. „High Yields genau wie Corporates haben aufgrund des zusammengelaufenen Spreads deutlich an Attraktivität eingebüßt. Beide Segmente sind nur noch Halte-Positionen“, sagt Gerlinger.

Die Entwicklung von Schwellenländeranleihen wird zu einem großen Teil von der Entwicklung des US-Dollars und der US-Zinsen beeinflusst, entsprechend hoch ist die Korrelation mit dem US-Segment. In Hartwährungen begebene Anleihen profitieren dabei vom freundlichen Fed-Kurs, die Spreads gegenüber High Yields und Investment-Grade-Anleihen locken noch die Investoren an. Belastend könnten ein fallender Ölpreis und Zinssenkungen wirken, die aber noch nicht absehbar sind. „Wir favorisieren unverändert Hartwährungsanleihen und hier regional die Region Asien“, sagt Gerlinger.

 

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