Marktkommentar von Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel

 

An den Aktienbörsen wird die Zukunft gehandelt, daher schauen Anleger bereits über die Coronakrise hinweg. Grundsätzlich ist der Blick auf den nahenden breiten Konjunkturaufschwung mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten in den meisten Volkswirtschaften weltweit gerichtet. Aktuell beflügeln zudem die Hoffnung auf zeitnahe Lockerungen der bestehenden Shutdown-Maßnahmen in Europa sowie die kurzfristig zu erwartende Verabschiedung des 1,9 Billionen US-Dollar schweren Konjunkturpaketes in den USA den Optimismus. Vom erwarteten konjunkturellen Aufschwung werden vor allem zyklische und konjunktursensitive Branchen – wie Fahrzeug-, Anlagen und Maschinenbauer oder die Chemiebranche – profitieren. Doch auch für viele Unternehmen aus der Finanzbranche verbesserten sich angesichts sukzessive steigender Zinsen zuletzt die Geschäftsaussichten. Bei den von Lockdowns besonders getroffenen Dienstleistungsanbietern aus den Sektoren Reisen, Freizeit, Veranstaltungen und sozialer Konsum besteht zudem perspektivisch Aufholpotenzial. Nach dem Überwinden der Marke von 14.200 Punkten befindet sich der DAX nunmehr wieder in seinem kurzfristigen, seit November 2020 bestehenden Aufwärtstrend, womit in den kommenden Wochen weitere Kursgewinne zu erwarten sind. Im weiteren Jahresverlauf bleibt die Marke von 15.000 Punkten ein realistisches Ziel. Das Risiko eines größeren Kursrücksetzers bestünde hingegen, wenn die Basisannahme, dass die Corona-Pandemie im Zuge fortschreitender Impfungen sukzessive in den Hintergrund rückt und spätestens ab dem 2. Halbjahr nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, nicht mehr haltbar wäre. Sollten etwa sich schnell verbreitende Virusmutationen für deutlich verlängerte Lockdowns sorgen und ggf. auch derzeit schon wieder sehr dynamisch wachsende Volkswirtschaften wie die USA oder vor allem China stärker treffen, wären die wirtschaftlichen Wachstumsprognosen und damit auch die erwarteten Unternehmensgewinne für 2021 nicht mehr haltbar. Die letzten Wochen haben zudem gezeigt, wie sensibel alle Anlageklassen auf geänderte Inflations- bzw. Zinsperspektiven reagieren. Bei stark steigenden Zinsen wären die derzeitigen Bewertungsniveaus vieler Aktien nicht mehr plausibel. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Notenbanken weltweit dieses Szenario zu verhindern versuchen, um größere Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu vermeiden. Zu groß wäre die Gefahr, dass sich an die Coronakrise Folgekrisen, etwa durch hoch verschuldete Staaten oder im Bankensektor anschließen würden. Ein wahrscheinliches Szenario ist daher in den kommenden Monaten eine weiter steigende Inflation bei gleichzeitig niedrigen Zinsniveaus und damit ein positives Umfeld für Aktien.

 

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