Von Holger Beitz, CEO PrismaLife AG

 

Der Versicherungsstandort Liechtenstein ist im Umbruch. Die frühere Bedeutung hochvolumiger PPLI-Produkte hat stark abgenommen. In diesem Geschäftsfeld stehen nun standardisierte portfoliogebundene Lebensversicherungen im Fokus. Darüber hinaus gewinnt das Retail-Geschäft an Bedeutung. Treiber dieser Entwicklung sind einerseits die in Liechtenstein entwickelten innovativen Konzepte. So sind die liechtensteinischen Anbieter Vorreiter bei Nettotarifen und verfügen über weitreichende Möglichkeiten im Rahmen der Vermögensstrukturierung. Zugleich besticht die hohe Regulierungs-Konformität des Standorts in Bezug auf die EU-seitigen und schweizerischen Anforderungen.

In der Folge engagieren sich zunehmend (wieder) ausländische Versicherer in Liechtenstein, die den Standort als Sprungbrett in die Schweiz ebenso wie in die gesamte EU nutzen wollen. Die wirtschaftliche Stabilität des AAA-Standorts und der Schweizer Franken als Währung schaffen dafür einen «save haven» für Vorsorge und Vermögensbildung.

Auch die PrismaLife hat sich sehr bewusst für den Standort entschieden – nicht zuletzt wegen der hohen Flexibilität. Doch der Erfolg des Standorts und der Liechtensteiner Unternehmen ist kein Selbstläufer. Deshalb müssen Politik, Aufsicht und die Finanzdienstleister der verschiedenen Branchen vor Ort aktiv zusammenwirken, um den Finanzplatz im Herzen Europas auch künftig stark zu positionieren.

Standortstärken selbstbewusst einbringen Finanzdienstleister aus Liechtenstein müssen Teamplayer sein. Aus Sicht der Anbieter am Standort Liechtenstein sind Kooperationen mit größeren Anbietern aus dem Ausland attraktiv. Die immer weiter steigenden Regulierungsanforderungen verursachen hohe Aufwände, die im großen Kontext leichter zu stemmen sind. Umgekehrt verfügen die Liechtensteiner über hohe Kompetenz im Cross-Border-Geschäft, die sie in die Kooperation einbringen können.

Politik und Aufsichtsorgane können helfen, indem sie im internationalen Kontext auf die Einhaltung der Marktöffnung pochen. Denn Internationaler Wettbewerb ist im Sinne der Verbraucher und darf nicht in Bürokratie erstickt werden.

Auf Stärken fokussieren, Hindernisse aus dem Weg räumen Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen weiter zu stärken, gilt es Hemmnisse zu beseitigen. Ein Kernthema ist sicher die Stempelsteuer, die Kapitalanlagemodelle im Vergleich zu anderen europäischen Ländern unnötig verteuert. Die Schweiz und Liechtenstein werden Wege finden müssen, diese Marktverzerrung zu beseitigen.

Liechtenstein ist ein attraktiver Standort mit hoher Lebensqualität. Doch zweifellos haben die ansässigen Unternehmen einige Kosten-Nachteile. Deshalb brauchen wir mehr Flexibilität auch im Arbeitsrecht. Wer Digitalisierung und flexible Arbeitsformen im Rahmen des «New Work» ernst nimmt, muss sich Gedanken machen, wie grenzüberschreitende Arbeit von sozialversicherungsrechtlichen Fesseln befreit werden kann. Dabei geht es nicht primär um Einsparungen, sondern darum, auch in Zukunft eine Arbeitsumgebung anzubieten, die den Anforderungen von gut ausgebildeten Menschen entspricht. Dafür bedarf es mehr Aufmerksamkeit seitens der Politik, vor allem Rücksichtnahme auf die Kostensituation und Mitarbeiterbelange bei kleinen und mittleren Unternehmensgrößen.

Trotz starker Bindung an europäische Regulatorik muss der Standort sich zudem differenzierende Freiheiten bewahren oder neu schaffen. Mit Blick auf die deutschen und österreichischen Märkte könnte dies zum Beispiel ein liberaler Umgang mit dem Thema «Rechnungszins» sein, wie er auch beispielsweise in Italien praktiziert wird. Hier sind allein die langfristigen Ergebnisse aus dem Asset Liability Management für die Festlegung des Rechnungszinses ausschlaggebend.

Vorreiter beim Kernthema Nachhaltigkeit werden Liechtenstein hat als Land bereits ein hohes Bewusstsein für Nachhaltigkeitsfragen. Diesen Aspekt gilt es noch stärker in den Fokus zu nehmen und gemeinsam mit Banken und Versicherern am Standort eine Führungsrolle zu übernehmen. Als kleines Land, aber großer Finanzplatz haben wir so die Chance, beim Thema ESG schneller zu sein als der «Tanker» Europäische Union und Standards zu setzen, bevor die Regulierer langwierige Diskussionen abgeschlossen haben.

 

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