Die derzeit am intensivsten diskutierten Anlegerfragen lauten wohl: „Platzt die KI-Blase oder platzt sie nicht? Wie lange wird es noch dauern? Und gibt es überhaupt eine Blase?“.

Die Debatte darüber ist zu einem Konflikt zwischen Optimisten und Pessimisten geworden, sagt Volker Kurr, Head of Europe, L&G, Asset Management:

„Eine gute Möglichkeit, sich diesem Thema zu nähern, ist die ‚Außenperspektive‘ des Nobelpreisträgers Daniel Kahneman: eine Prognose durch Untersuchung ähnlicher historischer Ereignisse statt aktueller Besonderheiten. Auf der Marktebene dürften Aktien nach dem starken Rückgang 2022 im laufenden Jahr zum dritten Mal in Folge zweistellige Realrenditen erzielen. Seit 1871 gab es acht Episoden mit drei aufeinanderfolgenden Jahren mit Realrenditen von mehr als 10 %. In der Hälfte der Fälle setzte sich der Boom noch bis ins vierte Jahr fort, in zwei Fällen dauerte er sogar fünf Jahre an – beide Boomphasen endeten jedoch mit schweren Crashs. Über die gesamte Stichprobe hinweg treten Krisenjahre mit realen Renditen von minus 10 % oder weniger in etwa 15 % der Fälle auf. Aktuell bedeutet dies zwar ein erhöhtes, aber kein dominantes Crash-Risiko.

Auf der Sektorebene sind weitere historische Häufungen interessant. Mit Hilfe der Fama-French-Datenbank, die 99 Jahre und 48 Sektoren umfasst, lässt sich ermitteln, dass eine kumulierte Rendite von 250 % über drei Jahre wie bei den Magnificent Seven zwar selten, aber nicht beispiellos ist – es gibt 53 ähnliche Fälle.

Nach solchen Entwicklungen steigt die Wahrscheinlichkeit eines starken Kursrückgangs um 40 % oder mehr innerhalb von zwei Jahren auf etwa eins zu drei, gegenüber eins zu zehn ohne vergleichbare Bedingungen. Zwei Drittel der Fälle endeten ohne Crash. In diesen Fällen erzielten die Sektoren in den folgenden zwei Jahren Kurssteigerungen von durchschnittlich 40 % oder mehr.

Historisch gesehen klingen extreme Booms also selten leise aus – sie führen entweder zu einem Crash, oder sie setzen ihren starken Aufwärtstrend fort.

Wer direkt auf die KI-Branche schaut, sieht mehrere positive Faktoren: Die Lieferkette funktioniert hervorragend – Chips, die von Giganten wie NVIDIA entwickelt, fast ausschließlich in Taiwan hergestellt und in Datenzentren auf der ganzen Welt eingesetzt werden. Die Investitionen sind beeindruckend, aber die Gewinne sind es auch. Zwar sind die Umsatzziele ehrgeizig, aber aus unserer Sicht nicht unerreichbar. Tatsächlich macht die Art und Weise, wie diese Unternehmen Geld verdienen, die Rechnung überraschend plausibel.

Einschränkungen gibt es natürlich auch. Der Bau einer ausreichenden Anzahl von Datenzentren und die Sicherstellung einer ausreichenden Stromversorgung sind herausfordernd, allerdings nicht unüberwindbar. Politische Entscheidungen, Regulierung und die öffentliche Meinung sind möglicherweise bedeutendere unbekannte Faktoren, die hier eine Rolle spielen.

Für die Zukunft der KI sind viele Szenarien denkbar – einige davon vielversprechend, andere weniger. Vielleicht wird KI die nächste PC-Revolution sein, die allen zugutekommt. Vielleicht wird sie eher wie die Erfindung der Eisenbahn wirken, die die Welt verändert, aber Investoren enttäuscht. Oder sie wird uns auf eine Weise überraschen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können. Die Risiken sind real, aber das Potenzial ist es auch. Vorerst bleiben wir optimistisch für diesen Sektor und, halten uns bereit, Kursrückgänge opportunistisch zu nutzen.

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