Der Ölpreis ist mit den Angriffen auf das wichtige Ölförderland Iran schon kräftig gestiegen – und er könnte noch weiter in die Höhe schnellen.

Auch wenn die Börsen zunächst auf Talfahrt gehen, könnten westliche Ölkonzerne profitieren. Allerdings waren sie auch schon vor dem Iran-Krieg eine Überlegung wert. Warum derzeit alles für mehr Ölaktien im Depot spricht.

Von David Wehner, Head of Liquid Assets, FGTC Investment

Die Ölkonzerne kämpfen seit Jahren mit einem sinkenden Ölpreis. Seit dem Hoch nach Ausbruch des Ukraine-Krieges von mehr als 120 Dollar für ein Barrel Öl (Fass á 159 Liter) ging es unter Schwankungen abwärts. Bis zu den Angriffen der USA und Israels gegen den Iran notierte die Ölsorte WTI bei 66 US-Dollar und die Sorte Brent bei 70 US-Dollar je Barrel. Inzwischen stiegen die Preise für beide Sorten kräftig an, WTI notiert bei mehr als 75 Dollar und Brent bei mehr als 80 Dollar.

Der Iran ist nicht nur eines der wichtigsten Ölförderländer, er kontrollierte bislang auch die Straße von Hormus, die wichtigste Schifffahrtspassage für den globalen Ölhandel. Immerhin ein Fünftel der weltweiten Öl-Fördermenge muss die Meerenge passieren, zudem ein Drittel der Gasförderung. Wie sich der Ölpreis angesichts der neuen Eskalation im Nahen Osten entwickelt, hängt im Wesentlichen davon ab, wie schnell dort eine sichere Passage wieder möglich ist. Sollte die Straße von Hormus über einen längeren Zeitraum unpassierbar bleiben, wird sich das in einem deutlich höheren Ölpreis und einem Anstieg der Inflation in den Industriestaaten niederschlagen. Vorhandene Pipelines sind keine ausreichende Alternative und auch die zurückhaltende Fördermengenerhöhung der OPEC hilft kaum. Daher ist davon auszugehen, dass der Ölpreis tendenziell weiter steigt. Stärkere Schwankungen sind dabei durchaus möglich.

Die gute Nachricht für Anleger: Es gibt auch Profiteure der Entwicklung im Nahen Osten. Insbesondere westlichen Ölkonzernen kommt der höhere Ölpreis zugute, sofern sie weiterhin ungestört Öl fördern können. Sie profitieren vom sinkenden Angebot aus den arabischen Ländern.

Angespannte Angebotsseite bei moderat wachsender Ölnachfrage

Der schwache US-Dollar belastet jedoch weiterhin die Bilanzen der nicht-amerikanischen Ölmultis, da Öl international in Dollar gehandelt wird. Die Angebotsseite dürfte auch weiter angespannt bleiben, da die globale Ölnachfrage insgesamt moderat wächst. Die OPEC+-Staaten werden sich mit Erhöhungen der Fördermenge hingegen zurückhalten, da sie Interesse an einem hohen Ölpreis haben. Das spielt den USA und Kanada in die Hände, die ihre Ölförderung aus Fracking bei einem höheren Ölpreis rentabler ausbauen können. Hinzu kommt, dass die USA auch von Öllieferungen aus Venezuela profitieren, nachdem die US-Regierung Staatschef Nicolas Maduro verhaftet und eine USA-freundliche Regierung installiert hat. US-Präsident Donald Trump hat jedenfalls angekündigt, mit Hilfe amerikanischer Konzerne die Ölproduktion in Venezuela zum Vorteil der USA auszuweiten.

Gründe für Aktien der Ölmultis

Die genannten Faktoren spielen vor allem westlichen Ölkonzernen in die Hände.

  • Westliche Länder und ihre Ölmultis bauen ihre Marktanteile aus. Sie profitieren von Sanktionen gegen Russland und begrenzten Fördermengen in den OPEC-Staaten.
  • US-Ölkonzerne dürften von der Neuordnung in Venezuela und der Vormachtstellung der USA profitieren und die dortigen riesigen Ölvorkommen weiter erschließen.
  • Der Krieg gegen den Iran belastet alle wichtigen Förderländer im Nahen Osten von Kuwait bis Katar, da die iranische Führung auch diese Länder attackiert, um sie in den Konflikt mit den USA und Israel hineinzuziehen. Ihre Ölexporte sind zudem größtenteils von einer freien Passage durch die Straße von Hormus abhängig, die derzeit viel zu unsicher ist. Westliche Ölkonzerne können daher versuchen, die Angebotslücke auf dem internationalen Ölmarkt zu schließen.
  • Nachdem die Aktienmärkte trotz großer Unsicherheit und vor allem dank des KI-Booms neue Rekorde erklommen hatten und bis zum Beginn der Angriffe auf den Iran seitwärts tendierten, suchen Anleger wieder vermehrt Sicherheit in der Old Economy. Davon profitieren vor allem die Aktien westlicher Ölkonzerne, die auch vor dem Hintergrund einer möglichen Konjunktureintrübung von einem höheren Ölpreis profitieren.
  • Die stabilen und hohen Dividendenausschüttungen der Ölmultis sind kurz vor der Bilanzsaison besonders attraktiv und ein Renditegarant in Seitwärtsmärkten. Vier bis fünf Prozent Dividendenrendite sind im Sektor ohne weiteres möglich. Da immer mehr Investoren ihre Portfoliorisiken reduzieren wollen, sind die dividendenstarken Aktien wieder zunehmend gefragt.
  • Viele Ölkonzerne sitzen auf hohen Cash-Reserven und nutzen diese weiterhin für Aktienrückkäufe. Das erhöht den Gewinn pro Aktie und wirkt tendenziell kurssteigernd.

Rohstoffe auf Goldkurs

Unabhängig von der Entwicklung im Nahen Osten hat die Ölbranche an der Börse ohnehin Rückenwind, so wie viele Rohstoffe. Der Grund dafür liegt in einem tiefgreifenden ökonomischen Paradigmenwechsel, dem Übergang von einer Ära der monetären Expansion zu einer Ära der fiskalischen Dominanz, die sich an vier Kernpunkten festmachen lässt. Erstens verfolgt die US-Regierung unter Donald Trump das Ziel, die Wirtschaft durch Steuersenkungen, fiskalische Anreize und niedrige Zinsen heißlaufen zu lassen. Diese „Run-it-hot“-Politik äußert sich unter anderem in dem Druck der US-Regierung auf die US-Notenbank, die Zinsen niedrig zu halten oder weiter zu senken. Zweitens ist die Politik der De-Globalisierung (Zollpolitik) und des Populismus strukturell inflationär, was sich an hartnäckigen Inflationsraten oberhalb von zwei Prozent und einem geschwächten Dollar zeigt. Dadurch nehmen Investoren zunehmend Sachwerte wie Gold sowie andere Rohstoffe in den Fokus und gewichten diese stärker. Ein dritter Faktor, der Rohstoffwerte stützt, ist die Tatsache, dass der Energiesektor von der Investorenseite über Jahre vernachlässigt wurde. Nun aber rückt der Energiesektor aufgrund des enormen Energiehungers im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren erneut auf die Wunschliste der Anleger und könnte von Preissprüngen profitieren. Viertens wäre auch das Ende der Kriege in der Ukraine und dem Iran langfristig sogar gut für den Energiesektor und die Ölbranche, da dann die globalen Energiemärkte neu ausgerichtet werden könnten und eine Normalisierung der Nachfrageströme stattfinden sollte, nachdem erste deflationäre Schocks überstanden wären.

Ölbranche auf Erholungskurs, Dividenden als Renditegarant

All das unterstützt die Renaissance der Rohstoffwerte unter Investoren, die schon länger zu beobachten ist, beispielsweise bei Silber und Kupfer, seit dem Jahresbeginn auch beim Öl. An der Börse gab es bereits vor den Angriffen auf den Iran Anzeichen für eine Erholung des Ölsektors, die nun nochmals Fahrt aufgenommen hat, vor allem bei europäischen und US-amerikanischen Ölkonzernen. Dieser beginnende Aufwärtstrend dürfte weiter an Schwung gewinnen. Ölaktien scheinen daher in der jetzigen Marktlage eine attraktive Depotbeimischung, um die Dividendenrendite zu erhöhen und das Risiko im Portfolio breiter zu streuen.

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