Benjamin Louvet, Head of Commodities, kommentiert die aktuelle Situation im Nahen Osten und den Einfluss auf den Öl- und Gasmarkt:

„Eine Woche nach Beginn des Konflikts stehen die Öl- und Gasmärkte weiterhin unter starkem Druck. Die Exporte aus den Golfstaaten sind fast zum Erliegen gekommen: In sieben Tagen passierte nur ein iranischer Tanker die Meerenge in Richtung Arabisches Meer, und kein einziger schaffte es in den Persischen Golf – verglichen mit etwa 50 Passagen pro Tag unter normalen Umständen. Aufgrund fehlender Lagerkapazitäten haben Kuwait, Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate bereits begonnen, ihre Öl- und Gasproduktion zu drosseln.

Saudi-Arabien leitet einen Teil seiner Rohölströme über das Rote Meer um und nutzt dabei die Häfen von Yanbu und Al Muajjiz. Das Land könnte täglich rund 2,3 Millionen Barrel exportieren – ein Niveau, das deutlich unter den üblichen 6 Millionen Barrel liegt (Quelle: Bloomberg, 6. März 2026). Diese Lösung ist jedoch weiterhin fragil, da die Ost-West-Pipeline, die von Dhahran durch die Wüste verläuft, zum Ziel von Drohnenangriffen werden könnte. Darüber hinaus müssen diese Mengen den Suezkanal passieren, während die Houthis die Schifffahrt im Roten Meer bedrohen und der Großteil des Öls aus der Golfregion für Asien bestimmt ist, was größere Umwege ineffizient macht.

Ohne eine rasche Wiedereröffnung der Straße von Hormus dürften sich die Produktionsausfälle im Nahen Osten häufen, was die Argumente für Ölpreise über 100 Dollar pro Barrel oder sogar 150 Dollar im Falle einer anhaltenden Pattsituation – eine Schätzung, die vom Energieminister Katars genannt wurde – stärken würde.

Die globalen Auswirkungen sind bereits sichtbar: China hat Beschränkungen für den Export von Raffinerieprodukten verhängt. Die Benzin- und Dieselpreise in den USA steigen rapide an. Der durchschnittliche Preis für Benzin erreichte am Samstag etwa 3,41 Dollar pro Gallone und könnte bis Mitte der Woche 3,50 Dollar überschreiten – ein politisch heikles Thema vor den Zwischenwahlen.

Auch die europäischen Gaspreise sind auf rund 50 Euro pro Megawattstunde gestiegen, verglichen mit zuvor 30 Euro (Quelle: Bloomberg. 6. März 2026).

Unser Basisszenario bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt unverändert: robustes Wachstum und gedämpfte Inflation – obwohl der Konflikt die kurzfristigen Inflationsrisiken und die Risiken für das langfristige Wachstum erhöht, insbesondere in Europa, das stärker von Energieimporten abhängig ist.“

Verantwortlich für den Inhalt:

Ofi Asset Management, Adresse: 22, Rue Vernier, 75017 Paris, Tel: +33 1 40 68 17 17, www.ofi-am.fr