Mit Blick auf den MSCI World kommt die Asset-Management-Branche in nur homöopathischer Dosierung in globalen Aktienportfolios vor.

 

„Obwohl sie von großer Bedeutung für das Funktionieren der weltweiten Kapitalmärkte sind, stehen Asset Manager nur selten im öffentlichen Rampenlicht“, sagt Michael Klimek, Geschäftsführer der Dolphinvest Consulting.

Nur wenige Asset Manager seien börsennotiert, d. h. für die Öffentlichkeit transparent. Die allermeisten der gelisteten Asset Manager sind nur von kleiner bis mittlerer Marktkapitalisierung und damit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle vieler Aktienanleger. Im MSCI World ist nach der IT- die Finanzbranche am stärksten gewichtet. Anleger, die ihre strategische Assetallokation an diesem Index orientieren, investieren also fast zwangsläufig in Finanzwerte. „Dabei ist es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass in börsennotierte Asset Manager investiert wird, da diese nicht einmal 4 % des auf die Finanzbranche spezialisierten MSCI World Financials Index ausmachen. In anderen Worten, Blackrock und Blackstone mögen in der Asset-Management-Branche Goliathe sein, gemessen an der Marktkapitalisierung aber machen sie zusammen mit allen anderen im MSCI World Financials Index erfassten Asset Managern gerade einmal die Indexgewichtung der Bank of America, d. h. einer einzigen Bank, aus“, so der Experte. Dies aber entspräche in keiner Weise ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung. Aus dieser Diskrepanz würden sich nach Klimek ein mittel- bis langfristiger strategischer Investment Case für börsennotierte Asset Manager sowie taktische Investmentopportunitäten.

Asset Manager im Vorteil

Die Gründung eines Asset-Management-Unternehmens verlangt weit weniger regulatorisches Eigenkapital als dies für Banken und Versicherungen der Fall ist. Darüber hinaus finanzieren sich Asset Manager deutlich weniger mit Fremdkapital. „Asset Management ist eine ‚asset-light‘ Branche. Asset Manager erwirtschaften tendenziell bessere Gesamt- und Eigenkapitalrenditen sowie besseres Umsatz- und Gewinnwachstum, sie bieten mehr Growth- und weniger Value-Charakteristik als andere Finanzwerte, was sie auch zu einem Diversifikator von Finanzwerte-Portfolios macht“, fasst Klimek zusammen. Das Hauptrisiko für Asset Manager sei das Kapitalmarktrisiko. Steigen die Märkte, steigen die Erträge von Asset Managern. Steigen die Zinsen, fallen die Erträge von Asset Managern aus Anleihenfonds. Klimek ist sich bewusst, dass Bankaktien mit der Zinswende besser als Asset-Manager-Aktien gelaufen sind, allerdings sagt er überzeugt: „Letztere dürften wieder zu ihrer relativen Stärke zurückfinden, sobald Inflation und Rezession in den Kursen des breiten Marktes eingepreist sind. Historisch betrachtet, schlagen auf lange Sicht Asset Manager sowohl den breiten Aktienmarkt als auch den MSCI World Financials Index.“

Asset Management: gemischter Ausblick

Aus Anlegersicht spräche laut Experte für Aktien von Asset-Management-Unternehmen: a) mittel- bis langfristig steigende Kapitalmärkte und automatisch damit steigende Erträge, b) hohes Beta und damit Hebel auf die Erträge, c) hohe Ertragskraft pro Mitarbeiter, d) Off-Benchmark-Diversifikationseffekt, e) Wachstumspotenzial für mehrheitlich noch unerschlossene Kundenmärkte, e) demographische Makrotrends.

Das Jahr 2022 bisher und das dritte Quartal insbesondere waren schwierig für die Asset-Management-Branche. Das Dolphinvest Global Asset Managers Barometer, das alle börsennotierten Unternehmen der Branche weltweit umfasst, schloss das Quartal mit einem Minus von 4,1 % ab. Die Aktien europäischer Manager schnitten im Vergleich zu ihren Peers aus Nordamerika, Australien und Asien besonders schlecht ab. Klimek kennt die Gründe: „Die Liste der schlechten Nachrichten insbesondere für die europäische Branche ist lang: Der Handlungsspielraum der Europäischen Zentralbank ist im Vergleich zur amerikanischen Zentralbank eingeschränkt. Der Ukrainekrieg und die Vernichtung realer Assets ist in vollem Gange und damit die Situation am Energiemarkt weiterhin extrem angespannt. Die Rezession ist im Markt angekommen. Die Vernichtung finanzieller Assets durch die Inflation ist noch im Gange, auch wenn sich die Zeichen für einen Rückgang der Inflation mehren.“ Der Höhepunkt der Inflation und damit der Finanzvermögensvernichtung dürfte wohl in Kürze erreicht sein. Die Spitze der Rezession dürfte indessen noch auf sich warten lassen. „Unter Berücksichtigung beider Aspekte glauben wir aber, dass ein guter Zeitpunkt für einen sukzessiven (Wieder-) Einstieg in Aktien börsennotierter Asset Manager mit Beginn des aktuellen, vierten Quartals gekommen ist“, prognostiziert Klimek.

 

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