J.P. Morgan AM: Eine Folge der Corona-Krise ist, dass eine breitere Definition der ‚sicheren Häfen‘ notwendig wird, um Portfolios langfristig widerstandsfähiger zu machen

 

Die dramatische Marktentwicklung im März hatte viele Marktteilnehmer zu einer Flucht in Liquidität veranlasst. Vorübergehend kam es zu einem gleichzeitigen Kursrückgang sowohl bei Risikoanlagen, als auch bei den vermeintlich ‚sicheren Häfen‘ der Staatsanleihen. Für viele Anlegerportfolios hatte das zur Folge, dass in der Phase der größten Unsicherheit die klassische Diversifikation zwischen qualitativ hochwertigen Anleihen und Aktien nicht mehr funktioniert hat. Die expansiven Maßnahmen der Zentralbanken haben geholfen, die Liquiditätssorgen der Marktteilnehmer zu reduzieren und haben zu fallenden Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen geführt, so dass eine breite Diversifikation der Anlagen wieder besser funktionieren sollte.

Doch eine gravierende Folge der Zentralbankintervention war der dramatische Rückgang der Renditen für US-Treasuries. Wie ein Großteil der Staatsanleihen aus Industrieländern notieren auch diese nun mit negativen realen Renditen. Das bedeutet aber auch, dass Anleger nach Abzug der Inflation damit quasi für den Portfolioschutz bezahlen müssen, den diese Anleihen bieten. Im Rahmen des langfristigen Kapitalmarktausblicks (Long-Term Capital Market Assumptions – kurz LTCMA), für den J.P. Morgan Asset Management einen Blick über einen Anlagehorizont von zehn bis 15 Jahren in die Zukunft wirft, haben die Experten analysiert, wie Portfolios konzipiert sein können, um dem Anlegerbedürfnis nach ‚sicheren Anlagehäfen‘ zu entsprechen. „Die effiziente Optimierung der Risikoabsicherung sollte die gleiche Aufmerksamkeit erhalten wie die Optimierung der Erträge – das haben die Ereignisse in den letzten Wochen rund um COVID-19 einmal mehr gezeigt“, betont Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. So sollten Anleger bei der Absicherung und Stärkung ihrer Portfolios mehr Anlageklassen in die Auswahl einbeziehen, als sie bisher vielleicht für relevant erachtet haben. „Die Allokation wird sich je nach Anlegerbedürfnis unterscheiden, aber ein Blick über den Tellerrand ist dringlicher den je“, erklärt Galler.

Breitere Definition von „sicheren Häfen“ notwendig

Die Analysen von J.P. Morgan Asset Management deuten darauf hin, dass traditionelle „sichere Häfen“ wie hochwertige Staatsanleihen, Reservewährungen und Gold weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Zugleich können aber auch alternative Anlagen – zum Beispiel Immobilien aus dem Core-Segment und Infrastruktur – ebenfalls attraktive sichere Eigenschaften bieten, was von den Opportunitätskosten und Anlagezielen abhängt. „Um widerstandsfähigere Portfolios aufzubauen, ist es sinnvoll, die Definition der ‚sicheren Häfen‘ zu erweitern. Dabei gilt es jeweils die stabilisierenden Merkmale und Opportunitätskosten zu berücksichtigen, deren relative Bedeutung für den Anleger abzuwägen ist: liquide bleiben, stabile Erträge erhalten, von Marktverzerrungen opportunistisch profitieren“, erläutert der Experte.

So können nach Ansicht der Experten von J.P. Morgan Asset Management Anleihen weiterhin zur Diversifikation beitragen, da langfristig ein bescheidenes Wachstum und eine geringe Inflation vorerst niedrige Zinsen erwarten lassen. Anleger müssen sich aber dessen bewusst sein, dass viele Anleihen mittlerweile nur noch einen Diversifizierungseffekt zur Absicherung und keine realen Erträge mehr bieten.

Auch der US-Dollar zählt weiterhin zu den „sicheren Häfen“: „Der US-Dollar ist äußerst liquide und korreliert in schwierigen Marktphasen in der Regel negativ mit Risikoanlagen“, sagt Tilmann Galler. In Zukunft könnte er jedoch weniger gewinnbringend sein: „Nach Jahren der Aufwertung ist der Greenback nach dem Konzept der Kaufkraftparitäten eine der teuersten Währungen der Welt.  Die Unterstützung durch das hohe Zinsdifferential ist aufgrund der Zinssenkungen der Fed auch weniger geworden. In unseren langfristigen Schätzungen rechnen wir deshalb mit einer deutlichen Abwertung des US-Dollars“, erläutert Galler.

Gold habe in verschiedenen Konjunktur- und Marktszenarien für Stabilität gesorgt. „Die Attraktivität von Gold als ‚sicherer Hafen‘ könnte wie in der Corona-Krise weiter zunehmen, da die niedrigen Renditen die Opportunitätskosten des Goldinvestments senken. Sollte sich eine anhaltenden Geldfinanzierung der Staatsausgaben durchsetzen, wäre der Status des US-Dollar als Wertspeicher geschwächt“, sagt der Stratege.

Immobilien aus dem Core-Segment könnten nach Darstellung der Experten stabile, hochwertige Ertragsströme bieten, die ihre mangelnde Liquidität deutlich wettmachen. Darüber hinaus würden sie eine relativ geringe, wenn auch positive Korrelation mit Aktien sowie eine schwächere Volatilität aufweisen.

Infrastruktur habe ähnliche Merkmale eines „sicheren Hafens“ wie Immobilien und darüber hinaus einen vielversprechenden Ausblick angesichts der Nachfrage nach grünen Projekten.

 

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